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Alles an den Haaren herbei gezogen?

Rund ums Haar wachsen so viele Gerüchte, dass man einen Rapunzelzopf daraus flechten könnte. Aber was ist dran am Mythos, dass Blondinen länger auf eine XL-Mähne warten müssen? Oder Spliss zu kitten ist? Petra Brockmann und Thomas Brockmann-Knödler verraten, was man in Punkto Pflege beachten muss und was wir ganz schnell wieder vergessen können…

 

Blonde Haare wachsen langsamer als braune.

Wie kann eine vermeintliche Realität einen solchen Schwachsinn hervorbringen? Am schlimmsten sind die, die sagen „Schauen Sie mal, wie stark mein Ansatz rausgewachsen ist!“ und im gleichen Atemzug behaupten „Aber meine Haare wachsen nicht.“ Diese Kunden sind so auf ihre Haarfarbe fokussiert, dass sie Haarwachstum nicht wahrnehmen.
 

Viel hilft viel: Nach dem Waschen soll man Spülung, Leave-in-Spray, Öl und
Spitzenfluid verwenden.

Alles auf einmal – dann wären wir schon beim halbplastifizierten Haar. Pro: Kinderleicht kämmbar und erdölglänzend. Contra: Ein Haar besteht zu 90% aus Protein und 10% Feuchtigkeit. Also wozu braucht es Silikone und Öle?
 

Stylingprodukte trocknen das Haar aus.

Ein Stylingprodukt trocknet das Haar grundsätzlich nicht aus, höchstens seine Ingredients. Alkohol ist die Nummer 1 der Austrocknungsmittel. Je mehr Alkohol, umso trockener das Haar. Denkt an einen Kater nach einer durchzechten Nacht. Habt Ihr da nicht auch den Wunsch dem Körper einen Liter Wasser zuzuführen?
 

Ohne Haarwäsche wird das Haar gesünder.

Es kommt auf die Haarwäsche an! Prinzipiell ist das Haar gesund, wenn es nicht von menschlicher Hand mechanisch oder chemisch kaputt gemacht wird. Eine Haarwäsche macht das Haar nicht kaputt. Wichtig ist nur, welche Produkte man zum Haare waschen verwendet und was mit dem Haar vor dem Waschen passiert ist.

Bei gesundem Haar reicht spülen mit warmem Wasser (Körpertemperatur) völlig aus. Da wir aber nie genug bekommen können und uns sauber oft nicht sauber genug ist, nutzen wir waschaktive Substanzen, die den Schmutz und die Ablagerungen entfernen.

Wollt Ihr ohne Haarwäsche auskommen? Dann lebt gesund und vollständig in der freien Natur und benutzt keine Pflege-und Stylingprodukte!
 

Häufiges Haarewaschen regt das Nachfetten an.

Ja, das stimmt. Das liegt auch an der Verwendung der Produkte und der Intensität der Tenside. Die Schärfe dieser Tenside, ein zu basisch eingestelltes Produkt oder nicht gebrauchte Pflegepartikel, die sich auf der Kopfhaut ablagern, führen zum Nachfetten. Denn die Kopfhaut wehrt sich dagegen und es kommt zu einer Überproduktion der Talgdrüse. Das führt zu stark fettigem oder schuppigem Haar. Auch Schuppen sind eine Mischung aus freien Radikalen, die zu Ablagerungen am Haar und auf der Kopfhaut führen, Talg und abgestorbenen Hautschüppchen. Beide Extreme bezeichnet man auch als trockene oder fettige Seborrhö.
 

Spliss kann man mit Pflegeprodukten wieder reparieren.

Nein, wirklich nicht! Das ist eine Binsenweisheit. Die als solch bezeichnete Reparatur ist ausschließlich die Verkabelung des Haares mit Ölen und Silikonen. Dadurch sieht das Haar scheinbar gesund aus. Es ist Oberflächlich gesund, aber kaputt ist es trotzdem noch.
 

Trockenshampoo schenkt Volumen.

Ja! Das ist so. Warum benutzt man es? Weil man fettiges Haar hat. Trockenshampoo besteht aus fettaufsaugenden Ingredients. Es ist eine puderähnliche Substanz, die aufsaugt wie ein Schwamm und sich molekular vergrößert. Dadurch entsteht Volumen im Haar.
 

Es ist empfehlenswert feuchtes Haar zu kämmen anstatt zu bürsten.

Prinzipiell sollte man nasses Haar ab einer bestimmten Länge überhaupt nicht kämmen, sondern leicht antrocknen, um einen natürlichen Entwirrungs-Prozess auszulösen. Danach kann man mit einer Naturhaarbürste an den Spitzen beginnend das Haar ausbürsten.
 

Hundert Bürstenstriche am Tag lassen das Haar glänzen.

Das sind die letzten Überbleibsel von Rapunzel. Insofern man ein 100%-iges Naturhaar hat, ohne chemische und mechanische Einwirkungen, glänzt ein Haar von Natur aus seidenmatt – immer! Ansonsten kann ich bei einem matten Haar, das nicht mehr seiner selbst ist, bürsten wie ich will. Es wird nicht glänzen.
 

Haare wachsen schneller/dicker nach, wenn man sie regelmäßig schneidet.

Das ist ein Mythos. Das einzelne Haar wird dadurch nicht dicker. Wenn man Haare schneidet, bringt man ausschließlich verschiedene Wachstumsphasen des Haares einander näher. Längere und ältere Haare bringt man den kürzeren jüngeren Haaren näher. Dadurch erhält man ein fühlbar voluminöseres Haar, weil alle Haare auf eine ähnliche Länge gebracht werden. Und damit wird auch das Wachstum der Haare wieder einfach wahrnehmbar.
 

Nach dem Mondkalender schneiden verleiht dem Haar Glanz und Stärke.

Ja, sofern man an den Mond glaubt!
 

Ein seidenes Kissen sorgt für schönes Haar.

Ja, wenn es vorher auch schon schön war, kann ein echtes Seidenkissen, durch geringere mechanische Reibung, dafür sorgen, dass das Haar auch schön bleibt.
 

Stress kann zu Haarausfall führen.

Ja, das ist so! Stress kann Akne oder Darmbeschwerden verursachen oder eben auch Haarausfall. Die Stressbewältigung führt zu einer Veränderung des Stoffwechsels. Dadurch kann es zu einer Unterversorgung des Haares kommen und dadurch zu Haarausfall. Deswegen: Haare gut, alles gut!
 

Wenn man ein graues Haar auszupft, wachsen zwei nach.

Das ist ein Mythos. Eine Haarwurzel ist angelegt. Zupft man ein Haar raus, wächst dort ein Haar wieder nach! Die Wurzel sagt nicht: „Heute ärgere ich Dich einmal und verdoppel mich!“ Es gibt aber das Phänomen, dass Kunden sagen: „Ich bin über Nacht grau geworden.“ Aber oft gibt es dann ein Ereignis durch das sie sich nach längerer Zeit wieder einmal bewusst wahrnehmen.
 

Rauchen verursacht graue Haare.

Rauchen verursacht gelbe, grünliche oder aschige Haut, aber keine grauen Haare! Jahrelanger Nikotinkonsum beschleunigt durch Stoffwechselveränderungen den Zellalterungsprozess. Dieser beschleunigte Alterungsprozess aktiviert eine schon in der DNA angelegte Entwicklung zu Grau. Das heißt, man ergraut vielleicht schon jetzt und nicht erst 15 Jahre später. Gibt es diese in der DNA angelegte Entwicklung zu Grau nicht, wird man aber auch durch Rauchen nicht grauer. Und umgekehrt: Habe ich eine in der DNA angelegte Entwicklung zu Grau, kann ich nicht verhindern, vielleicht auch schon mit 20 grau zu werden, auch wenn ich auf das Rauchen verzichte.
 

Tägliche Haarwäsche verursacht schnellen Haarausfall.

Nein, nie und nimmer! Haare die ausfallen wollen, fallen aus, auch ohne Haarwäsche!
 

Chlorwasser macht die Haare grün.

Ja, aber nur heller gebleichtes und stark poröses Haar. Chlor reagiert dabei mit den Metallablagerungen im Haar. Diese chemische Reaktion lässt das Haar grün werden.
 

Ein Kopfstand fördert den Haarwuchs?

Ja, solange das Eigengewicht auf die „ursprüngliche“ Fontanelle drückt und für neue Geistesblitze sorgt. (mythische Antworten auf mythische Fragen)
 

Während der Schwangerschaft darf man die Haare nicht färben?

Das Haar ist kapillarisch. Kapillarisch ist das Verhalten von Flüssigkeiten, das sie bei Kontakt mit Kapillaren z.B. engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen zeigen. Zum Beispiel wird in Bäumen und anderen Pflanzen das Wasser von den Wurzeln aufgenommen und dann bis in die Krone transportiert. Also wie soll jetzt die Haarfarbe in den Körper gelangen? Maximal durch kleine Wunden auf der Kopfhaut könnte Haarfarbe in den Blutkreislauf gelangen. Haarfarbe enthält zu einem großen Teil Wasserstoff und dieser wirkt bekanntlich desinfizierend und tut Eurer Wunde sehr gut.
 

Dauerwelle ist in der Schwangerschaft verboten.

Dauerwelle gehört grundsätzlich verboten. Das ist die Chemotherapie für gesundes Haar.
 

Das Glätteisen schädigt das Haar.

Ein Glätteisen niemals, höchstens die Hand, die es führt!
 

Kopfmassagen fördern das Haarwachstum.

Ja, definitiv. Wenn ich meiner Tochter den Bauch massiere, verschwinden die Bauchschmerzen (durch Blähungen verursacht) und ich unterstütze damit ihre Darmtätigkeit. So funktioniert es auch bei der Kopfmassage.
 

Eine Spülung mit Bier lässt die Haare glänzen.

Niemals. Bier kann, durch die im Bier vorhandenen Stärke, das Haar maximal festigen. Die Stärke/der Zucker hilft das Haar zu verkleben, aber verleiht niemals Glanz. Wenn Sie Kartoffelstärke in der Küche verschütten und verreiben, wird der Untergrund auch niemals glänzend, sondern immer stumpf und matt. Dazu kommt noch der Alkohol, der das Haar zusätzlich austrocknet. Bier ist also absolut nicht geeignet.
 

Das häufige Tragen von Haargummis lässt die Haare brechen.

Ja, durch andauernde mechanische Reibung! Stellt Euch vor, Ihr tragt dauerhaft eine Leggings, die zu eng ist und der Gummizug schneidet ein. So ist es auch beim Haar. Die mechanische Reibung beschädigt die Haarschuppen und man erhält quasi einen Gummi-Haarschnitt!
 

Haare kann ich mir mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Eiern, Avocado,
Brokkoli, Banane und Spinat schön essen.

Man kann es sich maximal schön erhalten, wenn es bereits schön ist. Kaputt bleibt kaputt – auch mit Brokkoli und Co.
 

Kaltes Föhnen beansprucht die Haare nicht so sehr.

Kalt, lau oder warm ist egal. Wichtig ist, wie man föhnt! Den Luftstrom mit einer schmalen Düse fokussieren und immer mit der Schuppenschicht föhnen.
 

Tönung, Färbung, Blondierung – alle chemischen Vorgänge beschädigen
das Haar.

Ja, weil es immer die natürliche Haarstruktur verändert, es sei denn Du kannst organisch Haare färben.
 

Haare müssen gegen schädliche UV-Strahlung mit einem speziellen Produkt
geschützt werden.

War das im Mittelalter auch schon so?
 

Wer zu oft Hüte trägt, bekommt Haarausfall.

Täglich mehrere Stunden? Dann ja. So lange einen Hut zu tragen, ist wie eine Plastikfolie auf einer Wiese zu spannen: Es kommt zum Hitzestau. Kein Sauerstoff kommt mehr ans Haar und es gibt keinen natürlichen Stoffwechselaustausch mehr. Das passiert auch beim Tragen von Perücken.
 
 
 
Danke an Edith Löhle für die Ideen und die Zusammenarbeit bei diesem Beitrag.