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So werden Haare grau

Viele Menschen graut es vor dem ersten grauen Haar. Ein ungewollter Besucher inmitten der vollen Haarpracht. Aber mal Hand auf’s Herz, für immer können wir der blassen Farbe nicht entkommen. Jedenfalls nicht auf natürliche Weise. Und so färben sich auch viele ältere Herrschaften gerne die Haare. Laut “Süddeutsche Zeitung” ist übrigens nur ein “T” schuld an dem Ergrauen des menschlichen Kopfschmuckes. Aber alles nacheinander…

Der Biologe Kaustubh Adhikari vom University College in London widmete sich der Thematik und wollte der Sache genau auf dem Grund gehen. Um zu sehen, was mit den Haaren im Alter passiert, schaute er sich das menschliche Erbgut näher an. Er untersuchte mit einem Team das Genom und Aussehen von 6357 Männern und Frauen aus Lateinamerika. Dabei machte er eine erstaunliche Erkenntnis. Gerade mal eine winzige Veränderung in einem Gen schafft es, dass Haare grau werden. Hierbei werden Bausteine der DNA fälschlicherweise ausgetauscht. Und allein das beeinflusst sowohl die Gene als letztendlich auch die Haarfarbe. Solche Fehler bleiben aber im Körper eigentlich nicht unbemerkt. Zellen sind dafür zuständig, diese zu korrigieren. Andere Fehler bleiben hingegen doch unbemerkt, weil sie komplett harmlos sind. Aber die Gene, welche der Wissenschaftler mit seinen Kollegen entdeckte, waren anders, als das, was sie kannten.

Machen wir mal einen Abstecher in den Biologie-Unterricht. In den Genen fand sich eine Reihe von tausenden Nukleinblasen. Hier führte der Austausch von einem Cytosin (C) durch ein Thymian (T) dazu, dass aus glänzendem braunen Haar auf einmal ein matt-graues wird. Und das nennt man dannn Punktmutationen. Diese sind übrigens nicht nur schuld am Ergrauen, sondern auch für Locken oder Glatzen verantwortlich. Der Schlüssel liegt also in den Genen. Das Gen der grauen Haare heißt IRF4. Bei ihm spielen aber nicht nur die Haare eine Rolle. Denn zusammen mit anderen Genen bestimmt IRF4 die Hautfarbe eines Menschen. Und laut der Studie von Adhkari ist es eben auch dieses Gen der Grund für graue Haare. Denn es reguliert die Bildung von Melaninen, die je nach Mischung unterschiedliche Haarfarben erzeugen können. Je weniger Melanin ein Haar enthält, desto blasser und grauer sieht es aus.

Ob das ganze bald ein Ende hat? Schließlich erklärten die Wissenschaftler, dass es irgendwann vielleicht eine Methode geben wird, um die farbliche Alterung der Haare aufzuhalten. Bisher ist die Forschung jedoch noch nicht so weit. Und wir verraten Euch jetzt mal ein Geheimnis. Auch ohne graue Haare kann man dem Älterwerden nicht entkommen. Das ist eben der Lauf der Dinge. Und wir finden: natürliches Altern ist wunderschön!

Foto: Tiago Muraro

Zwei Surfer im Kampf gegen die Wasserverschmutzung

Sie sind braun gebrannt, werfen ihre blonde Mähne im Wind hin und her und machen einfach immer eine gute Figur. Vorstellungen, die sofort in den Kopf springen, wenn man an Surfer denkt. Zwei Wellenreiter aus Australien sprengen diese Vorstellungen und legen ihren Fokus auf eine ganz andere Thematik. Nämlich die Rettung der Umwelt. Und damit wollen die beiden zu den Helden des Ozeans werden.

Weg mit dem Surfbrett, her mit dem Mülleimer. Was, das ganze soll so einfach sein? Wenn es nach Andrew Turton und Pete Ceglinsk, ja. Das Duo entwickelte einen Mülleimer namens “Seabin”, welcher das Meer mit einer einfachen Technik säubern soll. Denn die Gefährdung durch Verschmutzung in den Meeren ist groß. Flaschen und Tüten treiben im Gewässer umher. Die Meeresbewohner verletzen sich, bleiben im Plastik hängen. Die Zahlen beschreiben das unglaubliche Ausmaß. Alleine in einem Jahr landen mehr als zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Ein Großteil davon wird von Menschen verursacht, die sich nahe der Küste befinden. Laut “Spiegel” wird dieser weder deponiert noch recycelt. Er bleibt im Wasser. Drastisch, wenn man sich vor Augen führt, dass die Erde über 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist und eigentlich den Spitznamen “Blauer Planet” trägt.

Die Surfer Pete und Andrew wollten nicht länger zuschauen, sich aus der Verantwortung ziehen. Also wurde “Seabin” ins Leben gerufen. Dort, wo sich große Abfallmengen zusammen tragen – zum Beispiel an den Häfen, Buchten oder in der Nähe von Wind- und Strömungsanlagen, kommt der Mülleimer zum Einsatz. Er wird direkt an der Meeresoberfläche angebracht, um so den Müll aus dem Wasser zu filtern. Und dann kann die Säuberung beginnen. Der Eimer saugt das Wasser mit dem ganzen darin schwimmenden Abfall ein. Der Müll sammelt sich dann in einem Netz, welches sich im Inneren des Eimers befindet. Das Wasser selbst kommt aber letztendlich wieder zurück in den Ozean – denn der Seabin ist mit einer Pumpe verbunden, die sich am Land befindet. Der Meeres-Mülleimer ist übrigens nicht nur ein Fänger von Dosen, Tüten und Co. Er kann auch flüssige Rückstände wie Öl filtern. Über die Pumpe ist es nämlich möglich, Wasser und Öl voneinander zu trennen. Was am Ende zurück ins Meer fließt, ist also ganz sauberes Wasser. Und keine Sorge – auch an das Wohlbefinden der Fische und der anderen Meeresbewohner ist gedacht. Die schwimmen nämlich nicht in ihr Unglück und werden mit abgesaugt, sondern bleiben dem Ganzen aufgrund des Sogs um den Mülleimern fern. Ein weiterer Vorteil: es können Kosten eingespart und andere teure Methoden, die nicht so effizient sind, ersetzt werden. Außerdem arbeitet der Seabin non-stop, braucht keine Pause. Sobald das Innere voll ist, wird er von Menschenhand geleert – und weiter geht’s!

Ende gut, alles gut? Leider nicht ganz. Denn der Seabin sollte noch etwas optimiert werden. Zum Beispiel wird die Pumpe momentan noch mit Benzin angetrieben. Um der Umwelt nachhaltig etwas Gutes zu tun, wäre es praktischer auf einen Solarantrieb umzubauen. Zudem ist der Eimer laut “Trends der Zukunft” eher in überschaubaren Bereichen sinnvoll. Aber es ist doch ein Anfang, oder?

 

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Fotos: Mathew Walters, Seabin

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Nobody is perfect – auch Gemüse nicht

Nicht nur in Hollywood und der Beauty-Branche ist Aussehen ganz hoch im Kurs. Auch bei Lebensmitteln isst das Auge mit. Und das hat drastische Folgen…

Auf der Welt herrscht eine große Verschwendung von Nahrungsmitteln. Das ist nichts Neues. Eine Studie der Umweltstiftung WWF ergab im letzten Jahr, dass alleine in Deutschland rund 18,4 Millionen Tonnen Nahrung im Müll landen. Wenn man das Ganze runter rechnet, wird das Ausmaß erst klar. Die Deutschen würden demnach pro Sekunde 313 Kilo genießbare Lebensmittel unnötig wegwerfen. Das Essen ist somit nicht einfach nur verschwendet, sondern hat noch schwerwiegendere Auswirkungen. das Wegwerf-Gemüse und -Obst befeuert auch den Klimawandel. Nicht zu vergessen, dass wir Tonnen von Lebensmittel wegwerfen, wenn von denn sieben Milliarden Menschen auf der Welt täglich rund eine Milliarde hungern. Eine Tragödie. Schließlich ist genug da. Würde man die ganze globale Lebensmittelproduktion wirklich nutzen, könnte diese neun bis zwölf Milliarden Menschen satt machen. Mehr, als nötig wäre.

Ein großer Teil des Essens findet z.B. nach Ablaufdatum den Weg in den Müll. Es gibt aber auch einen erheblichen Teil, der es gar nicht in den Supermarkt schafft. Ernte bleibt auf dem Feld liegen, wird vernichtet oder zur Energiegewinnung zweckentfremdet – nur aufgrund seines Aussehens. Wenn der Look nicht passt, haben Gemüse und Obst also keine Chance. Nicht gut genug für den eitlen Konsumenten. Und genau hier setzt das Unternehmen ETEPETETE an. Zusammen mit einem Netzwerk an Biobauern wollen sie ein Sammelbecken von extravagant aussehendem Gemüse schaffen. Und das findet durch einen Lieferservice seinen Weg direkt zur Haustier der Liebhaber von Gemüse, welches nicht der Norm entspricht. Rein optisch, versteht sich. Und in der Gemüseretterbox kann man dann gegen den Strom der Verschwendung schwimmen.

Krumm und schief macht doch schließlich nichts! Wenn wir Menschen nicht aufgrund unseres Aussehens beurteilt wollen, warum hat das dann köstliches Gemüse verdient? ETEPETETE findet, dass auch schräge Karotten und Gurken eine Chance verdient haben, auf dem Teller zu landen. Damit will das Unternehmen nicht nur die nachhaltige Esskultur prägen, sondern auch Gemüsebauern unterstützen, welche die ökologische Landwirtschaft mit gutem Gewissen betreiben. Noch nie war hässlich so lecker!

Foto: Sven Scheuermeier

Natur ist gesund!

Ach, diese Stadtkinder! Verloren im Großstadtdschungel. Immer gestresst, die Augenlieder schwer, die Leichtigkeit verschwunden. Und dagegen helfen auch keine Kopfschmerztabletten und Energy-Drinks. Nein, das Zaubermittel gegen den Alltagsstress lässt sich nicht kaufen – aber ganz leicht finden. Draußen. In der Natur.

Michael Grothaus ist einer dieser Stadtmenschen. Der Journalist und Autor lebt in London. Dort, wo er nur selten Grün sieht und sich an die Sicht von Beton, Asphalt und Ziegelsteinen gewöhnt hat. Doch Mama Grothaus machte das, was alle Mamas tun würden. Sie plädierte an seine Abenteuerlust: “Junge, geh raus in die Natur!” Und wenn Mama was sagt, sollte man schließlich darauf hören. So machte sich der Journalist aus der Großstadt raus in unbekannte Welten. Voller Gras, Blätter und frischer Luft. Und das schlug natürlich direkt auf das Gemüt. Im positiven Sinne, versteht sich.

Der Londoner nahm sich also ab sofort vor, sich täglich eine Stunde in den weitläufigen Stadtparks aufzuhalten. Am Wochenende standen sogar auf Rad- und Wandertouren an. Es sollte eine Selbststudie sein. Keine wissenschaftliche, aber eine, die in enger Verbindung und Zusammenarbeit mit Sara L. Warber, einer Professorin für Familienmedizin an der University of Michigan, stand. In dem Projekt sollte sie die Funktion haben, die Erlebnisse von Grothaus mit Fakten aus ihren Forschungsarbeiten zu untermauern.

Schon nach wenigen Tagen merkte der Journalist eine Veränderung. Er bemerkte, wie das Verlassen der üblichen Innenräume und das Betreten der Landschaft seinen Alltagsstress wegzauberte. Wie vom Winde verweht. Er fühlte sich entspannter, die üblichen bedrückenden Gedanken, die stressige Stimme im Kopf, waren weg, als er die frische Luft atmen und die Umgebung genießen konnte. Die Natur bietet also nachweislich eine Entspannung, wie man sie mit der Mediation vergleichen kann. So erklärt die Professorin den relaxten Zustand.

In der zweiten Woche kam dann die dauerhafte Verbesserung der Laune dazu. Und dafür musste er sich nicht mal in der Natur befinden. Er konnte auch mitten in der Stadt stehen, wo weit und breit kein Grün zu sehen war. Grothaus war begeistert. Und die Wissenschaftlerin nicht überrascht. Sie erklärte, dass sich die Auswirkungen, die man erreicht, wenn man viel Zeit in der Natur verbringt, immer effektiver werden, wenn der Natur-Kontakt  regelmäßig wird. Und in der dritten Woche nahm dann auch die Kreativität zu, seine Romane erhielten neue Plot-Ideen, der Kopf wurde immer klarer. Nach einigen Wochen verbesserten sich dann auch noch die Gedächtnisleistungen, er war nicht mehr vergesslich. Für den Journalisten wurden seine Ausflüge in die Natur zum Alltag, gehörten zur Routine. Auch nach Beendigung des Projektes.

In Finnland zum Beispiel herrscht eine hohe Depressions-, Alkoholismus- sowie Selbstmordrate. Deswegen wird in diesem Land die Förderung von Naturerlebnissen sehr groß geschrieben, gehört mit zur Gesundheitspolitik. Bei einer staatlich geförderten Studie sollten tausende Teilnehmer ihre Stressniveau bewerten. Dieses sollte einmal nach einem Aufenthalt in einer städtischen und einmal nach einem Aufenthalt in einer natürlichen Umgebung beschrieben werden. Nach der Auswertung der Studie empfohlen die Mediziner eine Mindestdosis Natur – als Vorbeugung gegen Trübsinn sein. Demnach sollten die Menschen mindestens fünf Stunden im Monat in der Natur verbringen. Verteilt auf mehrere Wochen.

Keine Kosten, keine Anstrengungen, keine Qual – einfach nur ein bisschen Zeit benötigt man, um sich langfristig besser zu fühlen. Also, raus mit euch, liebe Leser. Und genießt das, was uns Mutter Erde gegeben hat. Es wird sich bestimmt auszahlen…

Foto: Lacey Raper

Ein Einblick in die künstlerische Welt von Svenja Schüffler

Sie ist eine Künstlerin mit einer großen Vision. An ihre Projekte geht sie nicht einfach willkürlich ran. Svenja Schüffler schafft mit ihren Arbeiten einen Schnittpunkt zwischen Kunst und Wissenschaft. “Organic Lifestyle” traf die Berliner Künstlerin zum Interview, wo sie uns einen Einblick in ihre Welt gewährte.

Woher kommt deine kreative Ader?
Ich vermute, das Visuelle habe ich schon von meiner Mutter. Natürlich habe ich schon in der Schule viel gezeichnet und ausprobiert. Aber soweit ich mich erinnere war meine Mutter die kreative Person in meinem frühen Umfeld, die mit ihren Experimenten und ihrem kreativen Engagement sehr prägend war. Das Haus, in dem ich wohnte, wurde von meinen Eltern, die keine Architekten sind, entworfen – mit spitzen Winkeln und nicht-rechteckigen Zimmern. Alles wurde Zuhause immer wieder umgeräumt, verschoben oder bemalt. Im Garten wurde auch ständig experimentiert, ausgehoben oder wachsen gelassen, es gab da keine Grenzen. Nicht nur, dass ich beim Zuschauen viel gelernt habe, meine Mutter hat mich da auch wirklich gefördert. Wir, und manchmal meine Schwester, haben zusammen an Bildern gearbeitet. Das war so intensiv, dass ich mich noch heute an Details in den Bildern erinnere und noch nachempfinden kann, wie sie entstanden sind und, welche Techniken wir eingesetzt haben.

Wie ging es weiter?
Ich habe später Kunst nicht studiert. Es war eine Option, aber ich hatte mich dagegen entschieden. Nach einer beeindruckenden Reise nach Ostafrika, während der Abiturzeit, wollte ich mir einfach die Möglichkeit offenhalten in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten. Deswegen habe ich Geologie studiert, mit Schwerpunkt im Bereich Grundwasser und Wassermanagement. Meine Diplom Arbeit habe ich dann in Havanna auf Kuba durchgeführt, über einen Fall von Grundwasserverschmutzung. Parallel habe ich aber immer gezeichnet. Ich habe angefangen, Portraits von Menschen unterschiedlicher Kulturen zu erstellen. Ich habe dann parallel zum Geologie Studium meine Zeichentechnik immer weiterentwickelt.

Wie kam es dann, dass du dich beruflich doch für die Kunst entschieden hast?
Das war der Punkt an dem ich gemerkt habe, dass der scheinbare Umweg über die Geologie und Naturwissenschaft letztendlich eine Bereicherung ist und ein Wissen und eine Erfahrung liefert, die gerade eine künstlerische Arbeit prägen und vertiefen kann. Diese Erfahrung konnte ich am deutlichsten machen während eines zweiten Studiums der Geoinformationswissenschaften, das ich begonnen hatte und für das ich am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) eine Master-Arbeit über Erdbeben gemacht habe. Genauer gesagt, habe ich mich damit beschäftigt mit Hilfe der visuellen Darstellung von seismischer Aktivität neue Erkenntnisse über Erdbeben zu erlangen. Wissenschaftliche Visualisierungen als Erkenntnisgrundlage zu benutzen war für mich eine Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Wissenschaften und Kunst. Eine Verbindung von logischem, gepaart mit spekulativem und kreativem Denken.

Gab es noch weitere Auslöser?
Ja. Gleichzeitig gab es auch eine Begegnung mit einer Person, die sehr beeindruckt war von meiner zeichnerischen Arbeit und mich eindrücklich und energisch aufgefordert hat, dieses Talent ernst zu nehmen und mich dem Zeichnen professionell zu widmen. Das war eine Perspektive von jemand anderem, welche eine eigene Reflexion geschaffen hat. Ich habe allmählich erkannt, dass Kunst eine Option für eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit meinen Themen sein kann. Dann habe ich es ausprobiert. Es hat sofort geklappt und ich habe die Zusage für die Teilnahme beim Berliner Kunstsalon während der ArtWeek bekommen. Eineinhalb Jahre später habe ich mitbekommen, dass das „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin ein Projekt zum Thema des Anthropozäns gestartet hat. Das Anthropozän geht von der Theorie aus, dass wir in eine neue geologische Zeitepoche eingetreten sind, in der die Menschheit zum maßgeblichen geologischen Faktor geworden ist, in der auch das zukünftige Leben und Überleben der Menschheit zum Thema wird. Das zweijährige Projekt, zu dem Wissenschaftler und Künstler aus der ganzen Welt eingeladen waren, habe ich aufmerksam verfolgt. Es hat mich stark beeindruckt und verstärkt in meinen Ansatz in der Kunst wieder zu Fragestellungen, die die Naturwissenschaft betreffen, zurückzukommen. Der Kreis schließt sich.

Was machst du genau?
Ich bin nicht festgelegt in der Form des Ausdrucks. Grundsätzlich liegt mein Interesse bei Themen wie Technologie, Erde und Wissenschaft. Ein Schwerpunkt liegt sicher in der zeichnerischen Arbeit, ich bin aber nicht darauf festgelegt, sondern arbeite auch im Übergang zum Objekt, mache Fotos und Installationen, und programmiere Sachen. Ein zweiter Schwerpunkt sind Projekte an der Grenze von Kunst und Wissenschaft zu entwickeln. Ich habe z.B. ein Projekt zum Erdbebenrisiko von Istanbul entwickelt, das auch vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam unterstützt wird. Das Projekt habe ich letzten Sommer am ‚Haus der Kulturen der Welt HKW‘ in Berlin beim Forecast Forum vorgestellt.

Wie geht man eigentlich an ein komplett neues Thema heran?
Mit einer Frage bzw. Problemstellung, die mich interessiert oder, die mich drängt. Ich lese tatsächlich viel innerhalb meiner Arbeit. Ich recherchiere, gehe zu Vorträgen oder nehme an Seminaren teil. Um kreativ zu werden, erarbeite ich mir neues Wissen, das ich dann im besten Fall wieder neu verknüpfen kann. Das braucht auch immer seine Zeit, manchmal kommt eine Idee dann auch ganz plötzlich, in einem Moment.

Wie lange dauert der kreative Prozess?
Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Konzepte entwickeln sich über Monate. Die Umsetzung einer zeichnerischen Arbeit kann aber auch einige Monate in Anspruch nehmen, kleinere Arbeiten meist einige Tage.

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Im „Brockmann & Knoedler“-Salon hängen Zeichnungen und Assemblagen (Zeichnungen mit Relief und Objekten) von dir, auf denen Affen zu sehen sind. Welche Technik steckt dahinter?
Bei diesen Arbeiten wird meist Papier auf eine Metallplatte kaschiert (mittels Klebefolie) und die Haarstruktur des Fells mit einer Nadel ins Papier geritzt. Erst danach wurde über die Verletzungen im Papier gezeichnet, wodurch die prägnante Haarstruktur entsteht. Der Boden besteht aus einzelnen Stücken aus Papier, die Heftpflaster imitieren und übereinander verleimt sind. Bei der großen Arbeit sind das etwa 50.000 Stück, also etwa 60m² Papier. Nur alleine diese Papier-Pflaster herzustellen und zu verleimen, hat drei Monate gedauert.

Warum Affen?
Ich beschäftige mich ja in meinem Projekt Anthropomorpha mit der Frage nach dem Menschen. Den Affen als Motiv habe ich gewählt, weil er eine Grenzfigur zwischen Mensch und Tier ist. Weil er uns so ähnlich ist, ist er uns gleichzeitig auch sehr unheimlich. Und gerade weil er unheimlich ist, kann er auch das Unheimliche, das Verletzende und das Abwesende abwehren. Ein Abwehrzauber, der das zeigt was er auf Abstand halten möchte, was auch der Titel „Apotropaion“ der Arbeit bedeutet. In diesem Fall das Abwehren der Abwesenheit einer klaren Trennung zwischen Mensch und Tier.

Warum hast du genau die Mönchsaffen bzw. Kapuzineraffen gewählt?
Durch die hellen Gesichter bin ich ihnen ähnlicher. Und es sind übrigens sehr intelligente Affen. Die religiöse Assoziation, die ich auch berücksichtigt habe, steht in Verbindung mit einer schon länger geplanten noch kommenden Arbeit.

An manchen Bildern sind Teile nur skizzenhaft gezeichnet, der Rest aber sehr detailliert. Wie kommt das?
Bestimmte Sachen sollen nur im Hintergrund bleiben, oder sind der Hintergrund. Sie kommen aber in den Vordergrund, sobald man sich die Frage stellt.

Hattest du schon immer eine Vorliebe für das Detaillierte?
Ja. Leider ist dieser Perfektionismus manchmal auch eine Last, eine Besessenheit des immer genaueren Aneignens, das ich auch irgendwann mal abbrechen muss. Die Arbeit ist für mich also nicht einfach nur ein perfektes Abbilden. Stattdessen eine Praxis, bei der etwas animiert, getäuscht oder täuschend lebendig wird. Was man, glaube ich, in meinen Bildern sieht, ist, dass eigentlich fast alles rausguckt. Die Tiere, die Menschen. Man wird als Betrachter selber angeschaut und in Beziehung gesetzt. Der intensive Blick verstärkt die Lebendigkeit. Und ich überlege mir auch sehr genau, welche Mimik und, welche Geste ich zeige und inszeniere. Auch um, vielleicht im Sinne Pygmalions, nicht nur zu animieren sondern vielleicht selber animiert, getäuscht oder angesprochen zu werden.

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Du hast dich auch schon selbst porträtiert. Sogar nackt. Wie war das für dich?
Mich als Tier zu zeichnen war anstrengend und eine Herausforderung. Aber das bin ja nicht ich, sondern eine Zeichnung. Aber ein Bild kann eben auch mächtig sein bzw. wirken.

Sind deine Arbeiten Denkanstöße für die Betrachter?
Das wäre schön. Für mich selber stecken darin stets eigene neue Erkenntnisse. Im Moment geht es auch in die Richtung Wissenschaftskommunikation. Bei den Projekten an der Grenze von Kunst und Wissenschaft soll tatsächlich auch etwas vermittelt werden, meist auch so komplexe Themen wie das unsichere Wissen der Wissenschaftler. Das Vermitteln erfolgt nicht mit rein wissenschaftlichen Mitteln, sondern auch mit künstlerischen und ästhetischen.

Steckst du dir immer wieder neue Ziele? Was sind sind Projekte, an denen du zur Zeit arbeitest?
Klar, gerade mache ich mir zum Beispiel Gedanken über das Niger Delta. Das gesamte einst ökologisch unglaublich reiche Territorium wird seit 50 Jahren mit Öl verseucht. Die am stärksten ölverseuchte Region der Welt. Ich stelle mir die Frage, was hat dies mit uns hier im Norden zu tun und, wie kann man das darstellen. Vor kurzem habe ich den Kunstverein GROUND e.V. in Berlin mitgegründet. Und am 9. Dezember dieses Jahr wird eine Ausstellung von mir in der Galerie Gerken in Berlin eröffnet. Zur Zeit entstehen die neuen Arbeiten, die dort zu sehen sein werden. Im Zentrum stehen diesmal Zeichnungen und ein von mir verfasstes Essay. Dieses dreht sich um eine fiktive Erdbeben-Frühwarnungs-App. Die Zeichnungen greifen dabei in ungewohnter Weise Fragestellungen zu wissenschaftlicher Risikoprognose, Algorithmen und Alarmierung auf, und dem Erkennen des richtigen Moments.

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Fotos: Svenja Schüffler, Marcus Lieberenz http://www.bildbuehne.de/htdocs/titel.htm

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Diese Solarzellen sind Dünner, als Haar

Ultradünne Solarzellen, dünner als menschliches Haar – es wäre ein Durchbruch, wenn diese zukünftig massentauglich werden. Forschern aus Südkorea war es nun möglich, genau das zu entwickeln. Und diese Solarzellen sind nicht nur hauchdünn, sondern lassen sich problemlos um einen Bleistift wickeln. Auch leistungstechnisch sollen sie genau das liefern, was bereits auf dem Markt vorhandene liefern.„Unsere Solarzelle ist viel dünner als ein menschliches Haar“, sagte Mitentwickler Jongho Lee. „Dünnere Zellen lassen sich leichter biegen und stehen im Output den dickeren in nichts nach.“ Das Ganze hört sich nicht nur nett an, sondern kann einen einen großen Einfluss auf unsere Zukunft haben, was den Umgang mit Energie angeht.

Es bieten sich nämlich reichlich Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel könnten die Zellen für Smart-Glasses oder Fitness-Tracker eingesetzt werden. Man könne sie aber auch in Kleidung einnähen können, um unterwegs Strom für das Smartphone zu generieren. Sogar Elektrofahrräder könnten teilweise mit Ökostrom betrieben werden. Wahrlich ein technischer Durchbruch.

Die Solarzellen sind übrigens gerade mal einen Mikrometer dünn und bestehen aus dem Halbleitermaterial Galliumarsenid. Sie können auf einem biegsamen Untergrund gestempelt werden, ohne etwas Klebstoff dafür verwenden zu müssen. Nachdem diese dann auf eine Elektrode kaltgeschweißt werden, kann die Oberschicht schmelzen. Und diese wird letztendlich entfernt, damit Metall auf Metall treffen kann. Außerdem zeigten die Tests, dass sich die Zellen um Gegenstände mit einer Dicke bis zu 1,4 Millimetern wickeln lassen.

Nach vielen Versuchen ist es nun also endlich Wissenschaftlern gelungen, Solarzellen zu fertigen, die so dünn und trotzdem effizient sind. Dank der Technik der südkoreanischen Experten wird beim Erstellungsprozess sogar weniger Material verbraucht. Warum diese Erfindung so wichtig ist? Die dünnen Solarzellen bieten eine saubere, unauffällige und günstige Form der Energieversorgung. Durch die Konstruktionsweise soll außerdem so wenig Energie wie möglich verloren gehen. Und lassen wir noch mal auf der Zunge zergehen, dass die Zellen wirklich dünner als ein Haar sind. Eigentlich unvorstellbar…

 Foto: Asia Chang
Wenn aus Zigaretten Ziegelsteine werden

Zigaretten sind ungesund. Das wissen wir. Aber nicht nur für den Menschen. Die Stummel der beliebten Glühstängel enthalten unter anderem Chrom, Nickel, Arsen und Cadnium. Wem das jetzt nichts sagen sollte – das ist eine ganze Reihe an umweltschädlichen Schwermetallen. Also tun sie sowohl dem Mensch als auch unsere Erde nichts Gutes. Und trotzdem können viele nicht die Finger von dem rauchigen Genuss lassen. Immer noch werden in Deutschland im Schnitt 223 Millionen Zigaretten jeden einzelnen Tag konsumiert. Diese Zahlen basieren auf einer Auswertung der Tabaksteuerstatistik im Jahr 2015. Pro Kopf wurden demnach 1000 Zigaretten im Jahr verbraucht. Doch eigentlich wären die Werte pro Person noch höher, da der Raucheranteil des Gesamtbevölkerung bei ca. 20 Prozent liegt. Was schließen wir daraus? Viele konsumierte Zigaretten ergeben viele Zigarettenstummel und das wiederum bedeutet einen hohen Anteil an umweltschädlichen Schadstoffen. Eine Tragödie. Denn bisher gibt es immer noch keine effektive Methode, um die kleinen Filter zu recyceln. Und das wiederum bedeutet, dass Zigarettenüberreste überwiegend in Gewässern oder der Landschaften laden.

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Doch am Ende des Tunnels ist meistens doch immer ein Licht. Und so finden sich auf der Welt immer mal wieder ein paar kluge Köpfe, die sich um die Nachhaltigkeit bemühen. So auch der in Australien tätige Wissenschaftler Dr. Abbas Mohajerani. Der machte sich nämlich zur Aufgabe, eine Lösung für die Stummel-Problematik zu finden. Und hierbei stoß er auf eine überraschende Herangehensweise. Mohajerani versuchte, die Zigarettenstummel in den Prozess der Ziegelsteinproduktion zu integrieren. Und hierbei werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einem verbrauchten die Steine durch diese Art der Produktion bis zu 58 Prozent weniger Energie. Zum anderen war das fertige Produkt leichter und besaß bessere Isolierungseigenschaften, als herkömmliche Ziegelsteine.

Und so funktioniert’s: Die Schwermetalle werden in die Struktur der Steine integriert. Dadurch ist es ihnen nicht möglich, unkontrolliert auszutreten. Und das hat mehrere Vorteile für die Umwelt. Logischerweise profiliert sie daraus, weil die Verschmutzung durch Zigarettenstummel reduziert wird. Schließlich sind nicht mehr so viele im Umlauf, wenn sie anderweitig verwertet werden. Und zugleich wird bei der Herstellung weniger Energie verbraucht. Eine Win-Win-Situation, könnte man sagen. Ende gut, alles gut? Nicht ganz! Denn um die jährliche Zigarettenproduktion aufzufangen, müssten laut dem australischen Wissenschaftler etwa 2,5 Prozent der weltweit produzierten Ziegelsteine zu mindestens einem Prozent aus Zigarettenstummeln bestehen.

Also müsste jeder mit auf das Pferd springen. Wenn man sich aber die Zahlen weltweit anschaut, könnte einem glatt das Rauchen, ehm Lachen vergehen. Denn das Problem hat eine weitaus größere Dimension, als man es sich vielleicht vorstellen würde. Hier ein Überblick: Auf der Welt werden ungefähr sechs Billionen Zigaretten im Jahr produziert. Wie viel ist eigentlich eine Billion? Unvorstellbar! Was daraus entsteht? Ca. 1,2 Millionen Tonnen an Zigarettenstummeln. Wenn all diese tatsächlich zu einem wertvollen Wertstoff verwertet werden würden, wäre dies offensichtlich ein enormer Gewinn für die Umwelt. Doch bis dahin ist es, wie so oft, ein weiter Weg. Einen anderen gibt es übrigens auch. Wenn der Zigarettenkonsum reduziert oder ganz eingestellt werden würde. Weniger Nachfrage schafft schließlich weniger Produktion. Und weniger Stummel bedeutet weniger Verschmutzung. Also, das nächste Mal zweimal überlegen, bevor man an den Glimmstängeln zieht.

Foto: Andrew Pons

Depression ist kein Tabu-Thema

„Es fühlt sich an, wie eine dunkle Wolke, die ständig über mir schwebt. Sie ist immer da, geht einfach nicht weg“, sagte mir ein Bekannter, als wir über das Thema Depression sprachen. Er leidet seit seiner Kindheit darunter. Schon in jungen Jahren war er traurig, während andere Kinder glücklich am Spielplatz spielten. Warum, konnte er sich nicht erklären. Einen bestimmten Grund oder Auslöser gab es nicht. Es war einfach da und er musste lernen, damit zu leben. Er erklärte mir, dass viele Menschen die Bedeutung einer Depression nicht verstehen. Sie diagnostizieren sich selbst als depressiv. Und sind dabei vielleicht einfach nur traurig und bedrückt. Nur eine Phase. Aber keine Krankheit.

Was es wirklich bedeutet, dieses Laster tagtäglich mit sich zu tragen, veranschaulichte der australischer Autor und Illustrator Matthew Johnstone in dem Video „Ich hatte einen schwarzen Hund“. Ernstes Thema, ungewöhnliche Veranschaulichung. Auf dem ersten Blick sieht das nämlich eher nach einem Kinderfilm, statt nach einem Aufklärungsvideo für Erwachsene aus. Der Protagonist: Ein Mann mit einem ständigen Begleiter. Ein schwarzer Hund. Seine Depression. Irgendwie ironisch. Wer hat schon was gegen Hunde? Die wenigsten! Sie gelten als der beste Freund des Menschen, als treu. Wie der Hund, bleibt auch die Depression ihrem Herrchen treu, folgt ihm auf Schritt und Tritt.

Nach einem klassischen Happy End sucht man hier vergebens. Die Depression lässt sich nicht einfach verscheuchen und kehrt dann nie wieder zurück. Sie bleibt. Doch der Mensch sollte lernen, mit ihr zu leben – viel mehr, sie unter Kontrolle zu haben. Nicht der Hund, sondern der Mensch ist das Herrchen. Er hat die Zügel, bzw. die Leine in der Hand.

Das Video in Comic-Charakteristik ist mehr als nur ein Aufklärungs-filmchen. Es gibt den Betroffenen eine Stimme. Denn immer noch gilt die Depression als Tabu-Thema. Depressive Menschen stoßen in ihrem Umfeld oft auf Unverständnis. „Jetzt reiß dich mal zusammen“, läuft wahrscheinlich auf Dauerschleife. Viele wissen nicht, wo sie sich Hilfe holen können. Und auch in der Berufswelt hat das Laster keinen Platz. In einer Krisenzeit, in der man um jeden Arbeitsplatz bangen muss, wirft diese Krankheit kein gutes Licht auf den Betroffenen. Schließlich wirken sie so als weniger belastbar, nicht stressresistent, als weniger leistungsfähig. Wer möchte schon in diese Schublade gesteckt werden?

Ein Teufelskreis. Die Hilfslosigkeit treibt viele depressive Menschen noch tiefer in das schwarze Loch, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Innere Leere. „Ich bin depressiv“, ein Satz, den sie sich nicht mal selbst eingestehen wollen. Über einen Hund lässt es sich da leichter reden. Der schwarze Hund, von dem man mal wieder über den Haufen gelaufen wurde. Doch auch wenn der zur Realität wird, wenn er von der Comic-Figur zum echten Laster wird, sollte er kein Grund zum Schweigen sein. Die Depression ist ein Thema, ja. Aber kein Tabu-Thema mehr!

Wer sich Hilfe holen möchte, kann das u.a. hier tun: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Ein Dorf aus Plastikflaschen

Es war einmal eine Plastikflasche. Welche Auswirkungen sie in der Zukunft haben könnte, hätte sich damals keiner gedacht…

In den späten 1960er Jahren schritt die Entwicklung der PET-Flasche immer weiter voran. Aufgrund des Forschers Nathaniel Eyth konnte ein formbares Material bei den Flaschen eingesetzt werden. Zeitgleich arbeiteten verschiedene Maschinenhersteller an Hochleistungsmaschinen, welche der Herstellung von Kunststoffflaschen dienen sollten. Im Jahr 1978 rollte sie dann erstmals über das Band – die 2-Liter-Flasche einer bis heute bekannten Getränkemarke. Die Karriere der PET-Flasche war geboren.
Der Vorteil: Sie soll nicht nur den Durst der Verbraucher stillen, sondern auch danach sinnvoll genutzt werden. Nachdem Einwegflaschen eingesammelt werden, soll ihnen nämlich eines der folgenden Schicksale bevorstehen. Die einen werden recycelt. Der Weg führt in Aufbereitungsanlagen, wo sie in kleine Teile zerhackt, von Fremdstoffen gereinigt, nach Farben sortiert und zu Granulat aufbereitet werden. Das daraus entstandene Material kann dann Neumaterial beigemischt werden. Gebrauchtes PET spielt aber auch in der Textilindustrie eine große Rolle und kann bei der Herstellung von Polyester-Textilfasern verwendet werden. Die anderen PETs werden thermisch weiterverwendet. Heißt: Sie landen in Müllverbrennungsanlagen oder Heizkraftwerken, um dort als Feuerungsmittel eingesetzt zu werden.
So die Theorie. Doch die Realität sieht manchmal anders aus. Klar finden viele Flaschen den Weg ins Recycling – aber viele andere machen einen großen Teil unserer Haushaltsabfälle aus. Allein in Europa werden nicht mal 50 Prozent der PET-Flaschen eingesammelt. Sie landen hingegen im Eimer. Doch da bleiben sie nicht. Nächste Station: Mülldeponie. Besonders in Entwicklungsländern stellt dies ein großes Problem dar. Die Müllentsorgung der Plastikflaschen und auch anderer Materialen erfolgt nicht selten über Flüsse und Meere. Dort schwimmen sie als Treibgut, verunstalten die Küsten und Strände.
Der kanadische Unternehmer Robert Bezeau hat der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt. Seine Devise: „Die Welt verändern, ohne die Erde zu verändern.“ Mitten im panamaischen Dschungel, in Bocas del Toro, will er einen Meilenstein setzen. Hier soll auf 33,5 Hektar ein ganzes Dorf aus Plastikflaschen entstehen. 90 – 120 Häuser soll dieses umfassen. Mittlerweile steht dort schon ein einstöckiges Haus aus  10 000 Cola-, Limonade- und Wasserflaschen. Und auch ein weiteres im Stil eines Schlosses ist kurz vor der Beendigung. Doch wer so öko leben möchte, sollte auch etwas Erspartes in der Tasche haben. Denn billig ist das Recycling-Wohnen nicht! Die fertigen Häuser im „Plastic Bottle Village“ sollen zwischen 149 000 und 300 000 Euro kosten. Für den Preis gibt es aber auch Leistung. Laut dem Team des Projektes soll die Flaschen-Technik kosteneffizienter und zeitsparender als lokalübliche Baumaterialien sein. Die Häuser bestehen außerdem aus einer sehr guten Isolierung, welche den Verzicht von Klimaanlagen erlaubt. Und erdbebensicher sind die Plastik-Häuschen auch noch.
Bezeau verwendet hierbei eine raffinierte Technik. Ein Metallgerüst gibt zunächst die Grundstruktur vor. Diese wird mit den Flaschen gefüllt. Zwischen ihnen läuft die Verkabelung. Den Abschluss bildet eine sehr dünne Beton-Schicht, welche die Wände schließt. Mit Plastik in eine bessere Zukunft – wer hätte das gedacht…
HIER könnt Ihr für das Projekt spenden!

Fotos: Plastic Bottle Village

 

“Der Kunde steht absolut im Mittelpunkt”

Während einer Friseur-Laufbahn erlebt man über die Jahre sicherlich einige spannende Dinge. Aber dass er aufgrund seines haarigen Berufes mal Autogramme geben muss, hätte sich auch Robert Rettich nicht gedacht. Als er vor ca. sieben Jahren eine Bühnenshow vor mehreren tausend Leuten in Lissabon machte, wurde er von dem Temperament der portugiesischen Friseure überrascht. Als der deutsche Friseur nach der Show mit seinem Team das Exhibition-Center verließ, traf er auf die Fach-Meute, die nach der Messe auf Transfer, Bus und Bahn wartete. “Sie haben uns beglückwünscht und nach Autogrammen gefragt. Das war grotesk”, erinnert sich Rettich im “Organic Lifestyle”-Magazin zurück. “Wenn man das nicht gewohnt ist, ist man eher etwas peinlich berührt. Aber das war schon abgefahren und etwas Besonderes.” Abgesehen davon sind es für den Friseur aber besonders die kleinen Momente, die seinen Beruf ausmachen: “Zum Beispiel, wenn man Kunden für einen neuen Weg begeistern kann. Oder, wenn man die Kunden dabei unterstützt und sieht, wie sie sich verändern. Da waren über die Jahre viele schöne Momente dabei.”

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Robert Rettich stieg mit einer klassischen Ausbildung in die Friseurbranche ein. Seit 1987 ist er Friseur, feiert also im nächsten Jahr sein großes Berufsjubiläum. Nach der Ausbildung kam er zum Preisfrisieren, nahm an Meisterschaften teil, arbeitete auch in der Modewelt. Nach seiner Meisterprüfung 1994 kam er allmählich mit der Industrie in Verbindung, erweiterte seinen Fachbereich und war dann auch als Fachtrainer und Studioleiter in München tätig. 1996 wollte er, wie er selbst sagt, das nächste Level erreichen, sein “eigenes Ding machen”. Rettich eröffnete seinen eigenen Salon in Regensburg. Und mit diesem ist er seit vier Jahren Partner von Organic Lifestyle. “Nachdem ich vor ca. vier Jahren auf der Messe in Düsseldorf das Testpaket mitbekommen habe, war eigentlich schon klar, dass wir damit gehen wollen”, erzählt Rettich.

Doch Neues ist auch mit Skepsis verbunden. Der Umstieg von Chemisch auf Organisch kein leichter. “Die Reaktion der Mitarbeiter war sehr skeptisch, weil wir speziell im Pflege-Verkaufsbereich einen riesigen Preissprung gemacht haben. Die Pflegeserie durch OLS zu ergänzen war eine Steigerung um 100 Prozent – und das müssen ja die Mitarbeiter beim Kunden auch kommunizieren”, erklärt Rettich. “Sie haben sich aber darauf eingelassen. Petra Brockmann hat das Produkt bei uns selbst eingeführt, war zweimal in Regensburg. Alle Leute, die da waren, waren absolut angetan. Dann haben wir dem Ding einfach Zeit gegeben.” Und so kamen die Produkte vom Verkaufsregal auch irgendwann in die Kabine, der organische Kreislauf nahm seinen Lauf. Die ganze Firma machte die Ausbildung in “OrganicHairCutting”. Die Zusammenhänge zwischen dem Produkt und dem Haar des Kunden wurden immer klarer. Rettich: “Damit hat sich auch bei uns die Philosophie der Firma verändert. Der Kunde ist absolut in den Mittelpunkt gerückt.”

Die individuellen Bedürfnisse des Kunden – das oberste Gebot in Rettichs Unternehmen. Und das bedeutet auch, dass der Kunde die Wahl hat. Rettich: “Wir haben die anderen Dinge nicht abgestellt oder vergessen. Wir haben zwei Pflegeserien im Regal und die Kunden dürfen sich entscheiden. Wir haben verschiedene Haarschneidesysteme, mit denen wir arbeiten. Wir versuchen mit dem Kunden das Richtige und Optimale zu finden. Das ist der Kernpunkt unseres Tuns.”

 

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Foto: Robert Rettich Promo