Organic Lifestyle

«Magazin»

Menu

Künstliche Intelligenz in unserem Alltag

„Künstliche Intelligenz“ – dabei denkt man spontan an humanoide Roboter oder Maschinen deren Aussehen und Fähigkeiten uns durch bekannte Filme wie “Matrix“, „I, Robot“ oder „ExMachina“ bereits gut bekannt sind. Auch von intelligenten Autos, die autonom fahren sollen, hat man schon gehört – jedoch scheinen diese Dinge noch fernab der Realität zu liegen und eine Verwendung im Alltag scheint kaum denkbar. Dabei vergessen wir oft, wie nah wir bereits mit künstlicher Intelligenz zusammenleben: es sind die kleinen Helferlein des Alltags – Apps und Programme unseres Smartphones oder Computers, die bereits zu unseren täglichen Begleitern geworden sind. Sie organisieren unseren Tag, überwachen unsere Ernährung und Fitness oder stellen uns auf Zuruf schnell die wichtigsten Informationen aus ihrer Websuche zusammen.

Wir surfen täglich im Netz – ohne zu hinterfragen, was da genau passiert.

Sie gehören zu unserem Alltag und die Frage, wie diese Dinge funktionieren, stellen wir uns kaum noch. Dabei sammeln diese kleinen unsichtbaren Programme und Algorithmen fleißig Daten über unser Verhalten und leiten daraus mitunter unsere Vorlieben für Informationen und Produkte ab, die es Unternehmen ermöglichen, neue Produkte daran anzupassen oder diese passenden Zielgruppen anzubieten. Einige dieser Programme sind sogar bereits fähig selbständig Probleme zu lösen und sich eigenständig weiter zu entwickeln. Das beginnt bereits bei einer vermeintlich einfachen Websuche auf Google.

Es entsteht Deine persönliche Filterbubble

Die Suchmaschine verwendet eine Vielzahl an Programmen, die im Hintergrund ablaufen und u.a. auswerten, welches Ergebnis unserer Suche am besten entsprochen hat. Sie leiten aus der Verweildauer auf der Seite ein entsprechendes Ranking für die nächste Suche ab – sie sind selbstlernend. So kann eine Seite, die zwar die notwendigen Keywords enthält, jedoch nicht den gewünschten Präferenzen der Suchenden entspricht, als weniger relevant eingestuft werden. Dass die persönlichen Präferenzen verfolgt werden, merkt man am ehesten an den Werbeanzeigen: Erst vor eine Woche habe ich nach einem neuen Wintermantel im Netz gestöbert und seit dem verfolgen mich Anzeigen mit Wintermänteln von Esprit, Zalando und anderen Portalen – ohne, dass ich je dort gewesen bin.

 

Künstliche Intelligenz: Jeder Nutzer hat seine ganz eigene Filterblase

 

Da nicht alle Sucher ausreichend umfassend Begriffe zur Präzision ihrer Suche eingeben, versuchen die Programme über andere Möglichkeiten zu einem bestmöglichen Suchergebnis zu gelangen. Zukünftig werden z.B. vermehrt Bewertungen von Kunden und Gästen in das Ranking der Seiten einfließen: Sucht man nach einem „guten Restaurant in Berlin“ können die Programme auf entsprechende Bewertungen (z.B. bei Nutzung der Suche auf Facebook) zurückgreifen. Neben den eingegeben Begriffen können dabei außerdem frühere Seitenbesuche und Suchergebnisse des Nutzers für das Suchergebnis ausschlaggebend sein. In einem vereinfachten Beispiel dargestellt: Unter dem Suchbegriff „pony“ können Informationen zum Tier oder zur Frisur auftauchen – je nachdem welche persönlichen Präferenzen die Programme „gelernt“ haben. Dieses Phänomen wird auch FilterBubble genannt, da es dem Nutzer nicht möglich ist über die Ergebnisse der eigenen Suchen hinaus zu blicken.

Fatale Auswirkungen auf die Entscheidungsfindung und kreative Prozesse

Für unseren Alltag kann das weitreichende Konsequenzen haben, die bisher noch im Verborgenen liegen: Laut dem Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger bevorzugen Menschen überwiegend Medienangebote, die ihrer eigenen Meinung entsprechen (die sog. Echokammer-Effekt). Durch die vermehrte Nutzung von Suchmaschinen wie Google und Portalen wie Facebook und Twitter zur Information, deren Programme personalisierte Ergebnisse liefern, gehe der breite Überblick über das aktuelle Tagesgeschehen verloren und damit auch die Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Themen (aus Psychologie Heute 08/2017). Dieses Phänomen hat nicht nur Auswirkungen auf die allgemeine Entscheidungsfindung, sondern auch auf kreative Prozesse: Durch eine vermehrte Nutzung der Suchmaschinen und Portale bewegt man sich schnell im immer gleichen Angebot von Themen und Ideen.

Gerade die Konfrontation mit Neuem und Unbekanntem kann jedoch für die Inspiration und die Entdeckung von Trends ausschlaggebend sein. Damit scheint der unbewusste Einfluss der künstlichen Intelligenz auf unseren Alltag bisher doch umfangreicher als gedacht: Wir wandeln in der Welt einer rosaroten Blubberblase, in der es nur Dinge gibt, die unserem Geschmack entsprechen, Menschen die unsere Meinung teilen und Programme, die unsere Wünsche kennen, bevor wir sie ausgesprochen haben… Das ist für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Watte, in die wir da gepackt werden – und die verhindert wichtige Lern- und Erfahrungsprozesse.

 

Künstliche Intelligenz: Gedruckte Medien sind nach wie vor eine gute Ergänzung zur Inspiration.

 

Um die eigene Entscheidungsfreiheit weiterhin beizubehalten, kommt es auf die richtige Nutzung der Angebote an: Weiß man um die Funktionsweise der Programme, kann man unter Umständen auf Alternativen ausweichen, die andere Suchmöglichkeiten bieten. So gibt es verschiedene Meta-Suchmaschinen, welche indirekt auf verschiedene Suchmaschinen zugreifen und damit eine Personalisierung weitestgehend vermeiden können. Speziell Google bietet zudem einen Dienst an, der es ermöglicht, den personalisierten Sucher auszuschalten. Weiterhin, wird ein Suchergebnis umso treffsicherer, je mehr Zeit man in die korrekte Umschreibung des Gesuchten investiert. Die Suche kann so zu umfassenderen Ergebnissen führen, die nicht zwingend personalisiert sind.

Wichtig ist, sich den Einfluss vorhandener Angebote bewusst zu machen und entsprechend darauf zu reagieren. Im richtigen Zusammenspiel, können intelligente Programme weiterhin unseren Alltag erleichtern, ohne dass wir ein Stück von unserer Entscheidungsfreiheit unbewusst aufgeben müssen. Also schaut euch genau an, was euch vorgesetzt wird! Schaut über den Tellerrand, lest andere Meinungen, seid offen für Diskussionen und wenn gar nichts mehr hilft: Nutzt Bücher oder Zeitschriften zum suchen – die geben Zeit zum Nachdenken und man kann selbst entscheiden, was man sieht und wann man es sieht.

(Bilder: pixabay)