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Meditation, Yoga und Energieheilen in der westlichen Welt?

Yoga – zum ersten Mal sitze ich in diesem neuen Kurs und mich überkommt eine freudige Erwartung. Meine Schultern schmerzen seit Tagen (Schreibtischarbeit) und eine gute Freundin hat mir diesen Yoga-Kurs empfohlen. Bereits früher habe ich verschiedene solcher Kurse besucht – bin aber nie lange geblieben. Die „Dehnungsübungen“ waren interessant, aber entweder konnte ich die Anforderungen des Trainers nicht erfüllen und war frühzeitig frustriert oder es waren einfach viel zu viele Menschen auf zu kleinem Raum, was dazu führte, dass man mit der Matte und dem Platz mehr beschäftigt war, als mit der Übung.

Ich, mein Körper, meine Aufmerksamkeit

Dieser Kurs scheint mir jedoch etwas anders zu sein. Entgegen einer einfachen Erwärmungsübung beginnen wir mit einer kurzen Meditation – absolutes Neuland für mich. Ich beginne auf meine Atmung zu achten, in den Raum zu lauschen und bin plötzlich tatsächlich an diesem Ort: Ich, mein Körper, meine Aufmerksamkeit, in diesem Raum… in diesem beziehungsweise jedem einzelnen Moment der Meditationsübung.

Anschließend werden wir mit einem Gong in die Realität zurück geholt. Wir öffnen unsere Augen und die ersten Yoga-Übungen beginnen. Hier wird vor allem Wert auf die richtige Kombination von Atmung und Bewegung gelegt – jeder entscheidet jedoch selbst, wie weit er geht oder wie lang er die einzelne Übung ausführt. Was mich betrifft – ich konnte mich noch nie besser auf die Bewegung und die Atmung konzentrieren. So als wäre der Rest meines Lebens und mein Alltag einfach draußen vor der Tür geblieben.

Eine abschließende Entspannungsübung führt uns wieder zum Alltag zurück und mir fallen leider wieder tausend Dinge ein, die ich heute Abend noch erledigen wollte… Aber dieser kurze Moment des Innehaltens, diese Minuten der Ruhe in meinem Kopf und der Achtsamkeit auf meinen Körper, haben meine Verspannungen tatsächlich gelöst und ich möchte auch in der nächsten Woche wieder in diesen Genuss kommen.
 

Yoga ist eine Philosophie. Darüber, wo und wie wir leben.

Was hier so besonders war: Yoga war mehr als nur eine körperliche Ertüchtigung. Yoga war hier Meditation, Atmung, Körper und Geist, Achtsamkeit (Wie weit kann ich gehen? Was tut mir gut?). Es ging hier nicht darum, wer am längsten aushält, die meisten Wiederholungen schafft oder sich besonders weit verbiegen kann. Dann hätte man auch gleich auf der Arbeit bleiben können: Der oft allseits vorherrschende Wettkampf in unserer Kultur führt häufig zu Gedankenlosigkeit, Stress und eben jenen Verspannungen am ganzen Körper, die man über Bewegung eigentlich zu lösen versucht.

„Yoga ist viel mehr: Yoga ist eine Philosophie. Darüber, wo und wie wir leben. Es geht um die Union von Körper und Atem, um die Union zwischen dem Ich und der Welt – um Harmonie“, erklärt mir später der Yogi Ashish Mehta, welcher zur Zeit in Hamburg lebt und arbeitet und bereits im Alter von neun Jahren begann, Yoga zu praktizieren.
 

Die Welt ist schneller und chaotischer geworden.

Auch Ashish bietet Kurse und Workshops zum Thema Yoga und Achtsamkeit an. Er legt dabei jedoch auch besonderen Wert auf Freude und Spontanität und ist offen für alle Menschen, die mit ihren Problemen zu ihm kommen. Sein Verständnis von Yoga resultiert aus der indischen Kultur, in der er aufgewachsen ist: Yoga ist für jeden und ist kein abstrakter Sport. In Indien war Yoga lange eine gängige Alltagspraxis, was nach wie vor von vielleicht 30–40% der Menschen dort noch gelebt wird.

Aber auch hier hat der westliche Einfluss nicht halt gemacht: „… die Welt ist schneller und chaotischer geworden und die Menschen in Indien sehen den Reichtum, den es in der westlichen Welt gibt…“, meint Ashish. Daher findet auch in Indien Yoga mehr und mehr als sportliche Aktivität Beachtung und weniger als fester Bestandteil der Alltagskultur. Dabei sieht man auch hier: Ständiger Wettbewerbsdruck und Stress führen zu Krankheit und Depression. „Die Menschen sehnen sich dort, wie auch hier in Deutschland, nach alten Methoden zurück, die sie heilen und von Krankheit und Druck befreien können.“
 

Ich und Welt in Harmonie

Ashish war bereits in Indien lange Zeit als Energieheiler tätig, bevor er nach Deutschland kam. Hier hat er eine eigene Heilungsmethode entwickelt, um Blockaden und Krankheiten der Menschen ganzheitlich heilen zu können. Denn oft seien die westlichen medizinischen Methoden nicht ausreichend und ebenfalls nur auf das Körperliche fokussiert. Dabei würde der geistige, seelische Anteil seiner Patienten oft vernachlässigt und eine nachhaltige Heilung meist unmöglich. Auch hier findet sich das Prinzip der „Einheit von Körper und Geist“, „Ich und Welt in Harmonie“ wieder.

Auch die Wissenschaft befasst sich mehr und mehr mit den positiven Effekten, die Yoga und Meditation auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben können und untersucht dessen Wirkung in zahleichen Studien und Experimenten. Dabei soll es vor allem gegen Stress, Schmerzempfindlichkeit, Depression und zur Förderung von Mitgefühl eingesetzt werden. Aber auch hier wird eine reine Funktionsorientierung deutlich. Dabei geht es vor allem darum, die ganzheitliche Philosophie zu erkennen und einen „anderen Bezug zum Leben zu bekommen“. Dies schließt eine besondere Achtsamkeit dafür, was wir tun und wie wir etwas tun, mit ein.
 

Alles zu meiner Zeit und in meiner Geschwindigkeit.

Bis diese philosophischen und spirituellen Gedanken in der westlichen Welt tatsächlich angekommen und auch verinnerlicht sind, muss wohl noch mehr Zeit vergehen. Es werden jedoch immer mehr Menschen, die die Yoga-Praxis ausprobieren, erfahren und erkennen möchten. Vielleicht führt unser Weg über das Ausprobieren eines einfachen „Sportkurses“, um zu erkennen, dass es noch mehr gibt, was eine Rolle spielt.

Letztlich kommt es dabei aber vor allem auf den Coach an, der seinen Teilnehmern zumindest vom großen Ganzen berichten und ihnen den Zugang zu einem solchen Verständnis ermöglichen kann. Ich für meinen Teil habe meinen Einstieg gefunden und werde mich gern weiter in die tiefe Praxis des Yoga und der Meditation begeben. In meiner eigenen Geschwindigkeit und einem Moment, der nur mir allein gehört.

Titelfoto ©jumgerphotography
Weitere Fotos ©Ashish Mehta

Wenn Tomaten unter Strom stehen

Was haben eigentlich Tomaten mit Energie zu tun? Mehr, als Ihr wahrscheinlich dachtet! Und was hat das wiederum mit Disneyland zu tun? Auch hier gibt es einen Zusammenhang. Aber alles nacheinander…

Sie sind rot, saftig, lecker. Tomaten sind aus der Gemüse-Theke nicht wegzudenken und gehören zu den beliebtesten Lebensmitteln. Ob im Salat, auf dem Brot oder in der Spaghetti-Soße – dieses Produkt findet sich wahrscheinlich in fast jeder Küche. Doch bevor es die Tomate zu uns nach Hause oder überhaupt in den Supermarkt schafft, muss sie einen Gemüse-Check bestehen. Von den geernteten roten Früchten landen nämlich längst nicht alle im Verkauf. Genau wie bei anderen Früchten und Gemüsearten werden nach der Ernte die meisten Exemplare aussortiert. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Wenn Tomaten Schäden aufweisen, Wachstumsrisse oder einfach nicht die “richtige” Form haben, schaffen sie es nicht in den Handel. Wer denkt, es handelt sich hier um Einzelfälle, irrt sich. Die Mengen des aussortierten Lebensmittels sind beträchtlich. Alleine Florida weist jährlich rund 396 000 Tonnen an Tomatenabfall auf. Allgemein gilt die Regel, dass etwa 40 Prozent der Ernte zurück bleibt. Während ein Teil des Ausschusses an Tiere verfüttert wird, wird der andere Teil schlichtweg entsorgt. Die Lebensmittel landen in der Tonne.

Das muss aber nicht sein – so die Meinung von US-Forschern, die sich damit befasst haben, wie man verschmähte Tomaten doch noch sinnvoll nutzen kann. Tomaten haben mehr Energie, als Ihr wahrscheinlich dachtet. Denn mit der leckeren Frucht lässt sich tatsächlich Strom erzeugen! “Wir wollten einen Weg finden, um diese biologischen Reste zu verwerten”, erklärt Venkataramana Gadhamshetty von der South Dakota School of Mines & Technology. “Denn auf Deponien erzeugen sie nur das starke Treibhausgas Methan und im Wasser sorgen sie für große Verschmutzungs-Probleme.”

Aber wie soll nun wirklich Strom aus der Tomate fließen? Die Forscher fanden heraus, dass es Möglich ist, die in dem Lebensmittel erhaltenen organischen Verbindungen als Energiequelle zu nutzen. Demnach werden Tomaten mit ausgewählten Bakterien in Kontakt gebracht. Durch diese werden die roten Früchte in Einzelteile zerlegt. Und genau in dem Prozess entstehen Elektronen, welche eingefangen und in einer Brennstoffzelle gespeichert werden können. Diese Zelle ist vergleichbar mit einer Batterie und kann Energie bei Bedarf wieder abgeben. Eine Sensation – und trotzdem kein Durchbruch. Denn die generierte Menge an Elektrizität ist im Vergleich zu herkömmlichen Stromquellen sehr gering. Zehn Milligramm Tomaten können 0,3 Watt Energie produzieren. Aber immerhin würde das für bestimmte Institutionen ausreichen. Und hier kommt Disney Land ins Spiel. Wenn man die 396 00 Tonnen Tomatenabfall aus Florida für die Energiegewinnung nutzen würde, könnte das Disney Land Orlando neunzig Tage mit Strom versorgt werden.

Die Erkenntnis ist da, das Ziel jedoch noch lange nicht erreicht. Die Forscher hoffen nun und arbeiten daran, die Effizienz der Methode nach und nach steigern zu können. Das Ziel ist es, einen größeren Output an Strom zu erreichen. Der Austausch mit anderen Wissenschaftler soll hierbei helfen. „Unsere Forschungsaufgabe momentan ist es, die grundlegenden Transfermechanismen der Elektronen und die Interaktion zwischen den Tomatenabfällen und den Mikroben zu untersuchen“, erläutert Venkataramana Gadhamshetty. Bis Tomaten also wirklich unter Strom stehen und als verlässliche Energiequelle dienen, könnten noch einige Jahre vergehen. Aber das Warten lohnt sich hierfür wirklich.

Und was lehrt uns diese wahre Geschichte? Dass uns die Natur alles gegeben hat, was wir brauchen. Es liegt nur bei dem Menschen, damit verantwortungsvoll umzugehen.

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Fotos: Anda Ambrosini, Deniz Altindas

So grün kann Strom Sein

Habt ihr schon mal gehört, dass Strom aus Pflanzen erzeugt werden kann? Manche haben es vielleicht mal im Physik-Leistungskurs aufgeschnappt, manche haben davon gelesen, andere haben wahrscheinlich noch nie davon gehört. Und ja, das funktioniert wirklich. Eine absolut revolutionäre Erfindung, könnte man sagen. Aber warum geht so eine Nachricht nicht um die Welt? Sie könnte diese doch verändern – zum Positiven…
Wie ich darauf komme? Vor zwei Jahren berichtete die „Welt“-Zeitung bereits von dem grünen Strom. Erstmals wurde ein Kaktus zum Watt-Lieferanten. Nach einer kleinen Recherche-Runde bei Google fällt auf, dass das Thema drei Jahre späte wieder den Weg in die Öffentlichkeit fand, und auch 2015 wurde hier und da wieder darüber geschrieben. Hätte diese Thematik nicht eine viel größere mediale Welle schlagen sollen? Als die grüne Revolution, Energie aus der Natur. Oder wäre dies einfach nur kontraproduktiv gewesen – für große Konzerne, die Konkurrenz in der natürlichen Energiequelle sehen könnten?
Und warum zapfen wir eigentlich noch keinen grünen Strom, wenn es ihn doch gibt? Weil die Ausbeute aus Pflanzen noch viel zu gering ist. Aber die Technik rund um die Naturenergie befindet sich in stetiger Entwicklung. Und wer weiß, vielleicht wird sie irgendwann zur Zukunft…
Während sich weltweit Forscherteams mit der Entwicklung des Themas beschäftigen, schafften es laut „Welt“, Französische Wissenschaftler vor fünf Jahren einen Kaktus in ein kleines Kraftwerk zu verwandeln. Im „Centre National de la Recherche Scienttifique“, dem nationalen wissenschaftlichen Forschungszentrum in Paris, wurde der Kaktus, bestückt mit Apparaturen und dank zweier implantierter, mit Enzymen präparierte Elektroden, zum Stromlieferanten. Angezapft wurde er an dem Grün der Pflanze, denn diese Stelle ist zur Fotosynthese fähig. Und diese wiederum verwandelt Sonnenlicht in chemische Energie. Wie wir es damals auch im Physik-Unterricht gelernt haben. Im letzten Schritt entsteht Glucose und Sauerstoff. Und genau daraus haben die Forscher Strom gewonnen – mithilfe von Elektroden, die mit zwei unterschiedlichen Enzymen präpariert wurden. Der Kaktus blieb dabei komplett unbeschadet. Je stärker das Licht, desto mehr Strom konnte das Kaktusblatt liefern. Doch letztendlich war die Ausbeute nicht groß genug, um für den Alltag nützlich zu sein. Das Kaktusblatt kann höchstens bis zu zehn Mikrowatt erzeugen. Im Vergleich benötigt alleine eine Energiesparlampe sieben Watt, damit ein Licht aufgeht. Weiterer Nachteil: Die Energie aus der Fotosynthese brauchen die Pflanzen, um zu überleben. Wenn man ihr also die Glucose nimmt, wird sie irgendwann welken. Also hätte ein grünes Pflanzenkraftwerk keine lange Überlebensdauer.
Und doch handelt es sich hierbei um den ersten ökologischen Strom, welcher hundertprozentig rein ist. Eine Energie, die sauberer nicht sein könnte. Deswegen haben die Forscher das Interesse längst nicht verloren und arbeiten stetig an neuen Innovationen rund um den Strom aus Pflanzen. U.a. beschäftigt sich auch das Projekt „Plant-e“ mit der Thematik, welches sich auf Energie durch pflanzlich-mikrobielle Brennstoffzellen fokussiert.
Und vielleicht gelingt es den Forschern ja irgendwann, genug Strom zu erzeugen, ohne den Pflanzen zu schaden, und aus der Revolution eine Revolution zu machen. Und bis dahin, solltet Ihr alle den grünen Strom zum Thema und Diskussionsstoff machen – damit er solange nicht in Vergessenheit gerät.

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Foto: Lukas Köller