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Treffen sich zwei Quereinsteiger…

Einfach mal eben in die Modebranche einsteigen – davon würden wahrscheinlich viele abraten. Und dann noch als Quereinsteiger. Doch manchmal im Leben findet man eben diese Menschen, die gerne riskieren – und dafür belohnt werden. Melanie und Wolfgang Gampe haben sich getraut, gründeten gemeinsam das Berliner Label „Studio Gampe“. Und das zeichnet sich vor allem durch Liebe zu Stoffen und Schnitten aus. Langlebige Lieblingsstücke wollen sie kreieren, qualitativ hochwertig und zugleich ausgefallen sollen diese sein. Wer ein Teil kauft, bekommt verschiedenste Möglichkeiten, wie dieses getragen werden kann. Am liebsten beschreibt das Duo ihre Mode mit ihrem Namen. Gampe – geometrisch, avantgardistisch, multifunktional, pur, extravagant.

Melanie, wie kam es eigentlich zur der Gründung des Labels?
Eigentlich wollten wir keine Mode machen, wir wollen lieber Schmuck machen. Wir sind beide total Design-affin. Als Wolfgang und ich uns trafen, war klar, dass wir ein kreatives Projekt zusammen machen werden. Es ist dann aus verschiedensten Gründen doch bei Mode gelandet.

Warum doch Mode?
Wir haben zu wenig das gefunden, was wir nun selbst machen. Das war der Auslöser. Unsere Mode ist ausgefallen, Avantgarde – wir suchen wirklich besondere Stücke, wir tragen auch selbst nur besondere Stücke. Dazu ist es aber unheimlich bequem, aufgrund der Stoffauswahl und den Schnitten. Und es ist dennoch bezahlbar. Und das ist ein Dreiklang, denn wir woanders zu wenig gefunden haben.

Ihr beschreibt eure Mode gerne als außergewöhnlich. Was ist für euch außergewöhnlich?
Es muss in der Silhouette etwas Ausgefallenes und Ästhetisches haben – entweder einen außergewöhnlichen Kragen, wir machen auch sehr viele geometrische Stücke. Wir sind beide große Fans von der japanischen Avantgarde, die ja reduziert und minimalistisch ist, aber trotzdem sehr ungewöhnlich, was die Schnitttechniken angeht.

Ihr wolltet dann also das, was ihr nicht gefunden habt, selbst machen. Wie ging es weiter?
Wir haben blau-, gutgläubig und naiv gestartet. Wir dachten, wir machen das jetzt einfach mal. Als ich 20 war, habe ich zwar mal Taschen gemacht und Klamotten selber genäht. Aber es ist schon ein anderes Niveau, wenn man Sachen entwerfen will. Dann haben wir Schneiderinnen eingestellt und eine Frau dazu geholt, die mir geholfen hat, die Schnitte umzusetzen. So haben wir angefangen.

Wie ging das voran?
Nach den ersten vier Monaten hatten wir eine komplette Damenkollektion und haben die verkauft. Wir wollten das einfach durchziehen und nicht sagen müssen: „Ach hätten wir mal…“ Es hat gleich funktioniert, von Anfang an.

Welchen beruflichen Hintergrund hattet ihr beide?
Wolfgang kommt aus dem Business, hat große Firmen geleitet, war Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender. Und ich komme aus dem künstlerischen Bereich. Ich habe Theaterstücke geschrieben. Ich war 15 Jahre lang Dozentin an einer Hochschule für Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung.

Ist die Aufteilung im Label immer noch so? Du der kreative, er der Business-Kopf?
Ja, grob kann man das sagen. Alles, was mit Schnitten und Designfindung zu tun hat, mache ich. Aber wir sind viel zu nah zusammen, deswegen kann man das gar nicht so trennen. Wir sind uns wirklich sehr ähnlich, haben eine ähnliche Ästhetik. Er ist mein erster Ansprechpartner.

Macht es das Label aus, dass eben zwei Köpfe dahinter stecken?
Ganz ehrlich, ich könnte mir nicht vorstellen, das alleine zu machen. Ich bewundere jeden, der das alleine macht. Es gibt einfach so viele Entscheidungen und Aufgabengebiete, die da anfallen.

Wie macht es sich denn als Quereinsteiger in der Modebranche?
Das ist sehr interessant – es ist manchmal nämlich extrem vom Vorteil, dass wir gar nicht wissen, wie das Geschäft läuft. Wir machen die Dinge, wie wir sie für richtig empfinden. Und das hat uns schon ganz viel Erfolg gebracht. Auf der anderen Seite wissen wir auch nicht immer, was die richtigen Entscheidungen sind. Das hat auch mit der Zeit zu tun…

Inwiefern?
Die Modebranche ist eine sehr harte Branche und momentan im Umbruch. Einfach durch diese großen Ketten, die alles kopieren. Da muss man bewusst andere Wege gehen. Das versuchen wir. Wir haben zum Beispiel im „Brockmann & Knoedler“-Salon Klamotten von uns reingehängt, weil wir das einfach eine sehr schöne Vertriebsart finden. Wir wollen den klassischen Weg gar nicht gehen, weil man da gar nicht so produzieren könnte, wie wir das tun – auf diesem qualitativ hochwertigem Niveau. Denn die drücken einen so derartig in den Preisen, dass wir gar nicht in Deutschland produzieren könnten. Das wollen wir aber unbedingt. Es ist uns ganz wichtig, dass wir in dem Land, in dem wir leben, auch Arbeitsplätze sichern.

Wer ist eine Frau, die eure Mode trägt?
Petra Brockmann. So kann man sich die vorstellen. Sie ist eine Frau, mit der ich mich sehr identifiziere. Die ist schon etwas reifer, sie weiß, wer sie ist, sie ist selbstbewusst und beruflich erfolgreich. Und das Wichtigste ist, sie hat ihren Typ gefunden. Sie trägt Sachen, die ihren Typ unterstreichen. Und sie sticht aus der Masse heraus – aber nicht so grotesk, sondern stilvoll.

Fotos: Melanie Gampe / STUDIO GAMPE BERLIN (Model: Jane Shoe)

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