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“Öko ist nicht uncool”

Ihre Stimme hat etwas Besonderes. Rau, bestimmend. Wenn sie erst mal in Fahrt kommt, kann man nichts anderes, als gespannt zuhören. Die Wahl-Hamburgerin ist gebürtige Portugiesin. Wahrscheinlich sind es ihre Wurzeln, die ihr auffallendes Temperament ausmachen. Aber es sind vor allem ihre positive Art, ihr Tatendrang und ihr Einsatz für Gutes, was sie mir, einer ihr Fremden, so besonders macht… Die Rede ist von Carine Patricio, Restaurantleiterin des Gourmet-Restaurants  “Jellyfish” und begeisterte Sommelière.
Ja, diese Frau kennt sich offensichtlich mit Weinen aus. Was aber nicht heißt, dass sie diesen willkürlich auftischt. Nein, Carine ist eine von den Revolutionären unter den Sommeliers. Eine, die für ein bewusstes Leben kämpft. Und das fängt bei ihr vielleicht bei Wein an, hört dort aber noch lange nicht auf. “Das Thema Wein ist sehr vielfältig. In der Schule lernt man alles zu der Thematik, aber irgendwann trifft t man auf seine eigenen Vorlieben . Man findet seinen Weg. Für mich ist Bio das Minimum – und Bio-Dynamisch ist definitiv der Weg”, erklärt sie im Interview mit “Organic Lifestyle”. “Über Naturwein kann man sich natürlich streiten. Aber alle Weine, die ich serviere, sollten aus einem ökologischem Anbau stammen und am besten Bio-dynamisch sein. Denn das ist naturnah. Abgesehen davon, schmeckt der Bio-Wein auch einfach besser.”

Auf vielen Weinbergen wird immer noch mit Pestiziden gearbeitet. Es finden sich kahle Stellen, an denen nichts mehr wächst. Der Grund ist nicht Mutter Natur – sondern das Gift, verursacht durch den Menschen. Carine: “Grundsätzlich ist alles in Balance. Das Gleichgewicht, welches die Natur haben kann, muss respektiert werden.” Auch beim Weinanbau. Aber auch der Prozess bis hin zum fertigen Wein sollte welchem mehr Beachtung geschenkt werden.

Ein Rückblick: Schon im antiken Griechenland wurde Schwefel als Konservierungsmittel verwendet. Ohne die geheime Zutat könnte der Wein nämlich schnell oxydieren und zu Essig werden. Dieses Wissen hat sich bis in die heutige Zeit ausgebreitet. Mittlerweile werden die meisten Weine geschwefelt. “Wenn die Trauben maschinell geerntet werden, ballern sie die mit Schwefel ohne Ende zu – bevor überhaupt gepresst wird”, so Carine. “Ich finde es schade: Auf jeder Wurstpackung steht aufgelistet, was drin ist. Bei Wein ist das nicht so. Hier wird nur aufgeführt, dass er Sulfite enthält, weil das von der Natur gegeben ist. Schwefel findest du in den Bergen. Natürlich enthält jeder Wein Schwefel, auch wenn der Winzer nicht schwefelt. Das ist eben von der Natur vorgegeben. Aber es stehen ja auch keine Infos von Gelatine usw. geschrieben. Man kann so viel in Wein reintun, um ihn zu kleben.”

 

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Carines Konsequenz ist eine strenge Auswahl. “Ich habe nur Weine von Winzern auf der Karte, die ich kenne. Oder von Orten, an denen ich selbst war oder gearbeitet habe. Ich will wirklich wissen, woher die Weine kommen – ein Händler kann mir schließlich viel erzählen. Ich würde meinen Gästen einfach nichts anbieten, was ich selber nicht trinken würde. Und zwar mit gutem Gefühl.” Schließlich ist Wein letztendlich nicht nur ein Genuss-, sondern auch ein Nahrungsmittel.

Trotzdem findet sie, dass sich nicht nur in der Wein-Branche langsam etwas tut. “Früher war Bio immer gleich öko. Es hatte einen abwertenden Charakter.  Es ist nicht uncool, öko zu sein. Es ist verdammt cool, verdammt selbstbewusst und verdammt respektvoll gegenüber diesem wunderschönen Planeten, der das Schlechte nicht verdient hat. Wir sind alle Attentäter, wenn uns mal bewusst wird, was wir diesem Planeten antun.”

Deswegen setzt sich Carine weiterhin für ein bewussteres Leben ein, will sich aber auch selbst weiterentwickeln. “Ich würde gerne meinen Sommelier-Master machen. Davon gibt es weltweit nur 200. Es gibt vier Stufen und ich bereite mich gerade auf die dritte Stufe vor.” Und das bedeutet viel Theorie, aber auch: “Probieren, ausspucken, probieren, ausspucken,…”

 

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Fotocredits: susannedittrich.de, Angelina Litvin, Jassy Onyae, Serge Esteve

Let’s talk about Sex, baby!

Werdet Ihr auch rot, wenn Ihr in der Öffentlichkeit das Wort Penis aussprecht? Oder, wenn der Nachbartisch über Stellungen und Sexspielzeug spricht? Dann geht es euch wie vielen anderen Deutschen. Und das, obwohl wir in einem offenen Land leben, in dem Sex sells! Und, in dem an jeder dritten Straßenecke ein Plakat mit einer halbnackten Frau hängt. Aber warum ist Sex in bestimmten Situationen immer noch ein Tabuthema? Schließlich machen wir es doch alle. Oder?

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Wie gut, dass zwei Berliner schon längst eine Sex-Revolution planen. Ab jetzt wird, egal wann, wo und mit wem, offen darüber gesprochen. Ohne Scham. Und als Kommunikationsmittel dient ein Kondom. Klingt erst mal nicht einleuchtend? Alles nacheinander…

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Waldemar Zeiler und Philip Siefer heißen die beiden Herren mit dieser einen ganz besonderen Idee. „Ich war im Drogeriemarkt, um Kondome zu kaufen. Sie befanden sich im Regal zwischen Binden, Klopapier und Hundefutter. Ich hatte ein bisschen Zeit und habe mir alles genau angeschaut, habe alle Texte gelesen und mir auch verschiedene Kondome gekauft. Die habe ich mir Zuhause genauer angeschaut. Daraufhin habe ich Waldemar geschrieben, weil wir sowieso vorhatten, mal ein gemeinsames Projekt zu machen“, erzählt Philip dem „Organic Lifestyle Magazin“. „Einhorn Condoms“ war geboren. Die beiden gründeten ein eigenes Unternehmen, eröffneten einen Onlineshop und verkaufen seitdem Öko-Pariser, die fair produziert werden und vor allem ziemlich außergewöhnlich eingetütet sind. Die Einhorn Kondome kommen nämlich in kreativ gestalteten Chipstüten. „Die kann man überall rumliegen lassen. Früher haben sich alle geschämt dafür. Und so eine Tüte ist natürlich auch eine tolle Fläche, um Kunst darzustellen“, erklärt Waldemar.

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Diese veganen Gummis sind kleine Alleskönner. Sie schützen, sie fördern die Zweisamkeit, sie sind fair und nachhaltig produziert und sie erfreuen sich eines außergewöhnlichen Design- und Markenauftrittes. Bunt und sexy. Auf den Tüten finden sich schlüpfrige und humorvolle Sprüche, lustige Figuren. Sex soll Spaß machen. So auch die Benutzung dieser Kondome. Das kurbelte nach und nach auch das Feedback der Kunden an. „Man sieht das auch bei Facebook oder Youtube. Die Leute kommentieren, wie schön und witzig das Ganze ist, dass alles nett durchdacht sei. Man führt mit Kunden auf einmal ganz offene Gespräche über die Geschlechtsteile, um der Sache auf den Grund zu gehen. Es passiert genau das, was wir wollten. Wir wollten eine Kommunikation auf Augenhöhe, bei der man offen über das Produkt reden kann. Das scheint mit einer lustigen Aufmachung sehr gut zu funktionieren“, erzählt Philip. „ Wenn wir ehrlich sind, ist es ja nur ein Körperteil. Über seinen Körper unterhält man sich ja auch – oder, wenn man sich die Nägel macht, wie man die Frisur trägt. Witzigerweise überträgt sich das langsam. Immer mehr Leute können das Wort Penis in den Mund nehmen, ohne dabei rot zu werden“, fügt Waldemar hinzu. Mit den Öko-Gummis plant das Start-up-Duo Großes: „Wir wünschen uns eine Sex-Revolution. Wir fänden es sehr gut, wenn wir es schaffen, mit unserem Produkt die Leute dazu zu bringen, offen über Sex zu reden, sich auszutauschen.“
Also Mund auf, Leute! Nicht nur, wenn es um die Kommunikation geht. Denn bei dem vielen Reden sollte natürlich das Wesentliche nicht vergessen werden…

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Credits: Liz von Wagenhoff, Marco Woldt