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Ein Dorf aus Plastikflaschen

Es war einmal eine Plastikflasche. Welche Auswirkungen sie in der Zukunft haben könnte, hätte sich damals keiner gedacht…

In den späten 1960er Jahren schritt die Entwicklung der PET-Flasche immer weiter voran. Aufgrund des Forschers Nathaniel Eyth konnte ein formbares Material bei den Flaschen eingesetzt werden. Zeitgleich arbeiteten verschiedene Maschinenhersteller an Hochleistungsmaschinen, welche der Herstellung von Kunststoffflaschen dienen sollten. Im Jahr 1978 rollte sie dann erstmals über das Band – die 2-Liter-Flasche einer bis heute bekannten Getränkemarke. Die Karriere der PET-Flasche war geboren.
Der Vorteil: Sie soll nicht nur den Durst der Verbraucher stillen, sondern auch danach sinnvoll genutzt werden. Nachdem Einwegflaschen eingesammelt werden, soll ihnen nämlich eines der folgenden Schicksale bevorstehen. Die einen werden recycelt. Der Weg führt in Aufbereitungsanlagen, wo sie in kleine Teile zerhackt, von Fremdstoffen gereinigt, nach Farben sortiert und zu Granulat aufbereitet werden. Das daraus entstandene Material kann dann Neumaterial beigemischt werden. Gebrauchtes PET spielt aber auch in der Textilindustrie eine große Rolle und kann bei der Herstellung von Polyester-Textilfasern verwendet werden. Die anderen PETs werden thermisch weiterverwendet. Heißt: Sie landen in Müllverbrennungsanlagen oder Heizkraftwerken, um dort als Feuerungsmittel eingesetzt zu werden.
So die Theorie. Doch die Realität sieht manchmal anders aus. Klar finden viele Flaschen den Weg ins Recycling – aber viele andere machen einen großen Teil unserer Haushaltsabfälle aus. Allein in Europa werden nicht mal 50 Prozent der PET-Flaschen eingesammelt. Sie landen hingegen im Eimer. Doch da bleiben sie nicht. Nächste Station: Mülldeponie. Besonders in Entwicklungsländern stellt dies ein großes Problem dar. Die Müllentsorgung der Plastikflaschen und auch anderer Materialen erfolgt nicht selten über Flüsse und Meere. Dort schwimmen sie als Treibgut, verunstalten die Küsten und Strände.
Der kanadische Unternehmer Robert Bezeau hat der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt. Seine Devise: „Die Welt verändern, ohne die Erde zu verändern.“ Mitten im panamaischen Dschungel, in Bocas del Toro, will er einen Meilenstein setzen. Hier soll auf 33,5 Hektar ein ganzes Dorf aus Plastikflaschen entstehen. 90 – 120 Häuser soll dieses umfassen. Mittlerweile steht dort schon ein einstöckiges Haus aus  10 000 Cola-, Limonade- und Wasserflaschen. Und auch ein weiteres im Stil eines Schlosses ist kurz vor der Beendigung. Doch wer so öko leben möchte, sollte auch etwas Erspartes in der Tasche haben. Denn billig ist das Recycling-Wohnen nicht! Die fertigen Häuser im „Plastic Bottle Village“ sollen zwischen 149 000 und 300 000 Euro kosten. Für den Preis gibt es aber auch Leistung. Laut dem Team des Projektes soll die Flaschen-Technik kosteneffizienter und zeitsparender als lokalübliche Baumaterialien sein. Die Häuser bestehen außerdem aus einer sehr guten Isolierung, welche den Verzicht von Klimaanlagen erlaubt. Und erdbebensicher sind die Plastik-Häuschen auch noch.
Bezeau verwendet hierbei eine raffinierte Technik. Ein Metallgerüst gibt zunächst die Grundstruktur vor. Diese wird mit den Flaschen gefüllt. Zwischen ihnen läuft die Verkabelung. Den Abschluss bildet eine sehr dünne Beton-Schicht, welche die Wände schließt. Mit Plastik in eine bessere Zukunft – wer hätte das gedacht…
HIER könnt Ihr für das Projekt spenden!

Fotos: Plastic Bottle Village

 

Lasst uns Wasser essen!

Aus Wasserflaschen trinken? Ach, das war so gestern! Lasst uns lieber Wasser essen. Ja, das könnte Zukunftsmusik sein, liebe Leser. Essbare Wasserkugeln statt Flaschenmüll!
Jeder kennt sie, die Bilder von Müllansammlungen am Meer. Möwen verhaken sich in den Plastikresten. Trotz 25 Cent Pfand landen Plastikflaschen immer noch im Müll. Oder Endstation Ozean. Und dort benötigt Plastik rund 700 Jahre, um völlig zu verrotten. Besonders Vögel und Meeresbewohner haben unter der Verschmutzung zu leiden, fürchten um ihren Lebensraum, um ihr Überleben. Auch die Herstellung von Plastikflaschen ist aus ökologischer Sicht nicht umproblematisch. Für die Produktion nur einer Flasche werden sieben Liter Wasser und 1,5 Liter Öl benötigt. Und letztendlich landet fast 80 Prozent der Behälter irgendwo, wo sie nicht landen sollten. Nur ca. 20 Prozent der Plastikflaschen werden tatsächlich recycelt. Der Kreislauf nimmt seinen Lauf…

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Diese Sorgen könnten jedoch bald der Vergangenheit angehören. Jetzt kommt das Trinken 2.0 – mit essbaren Wasserkugeln. Und wer hat’s erfunden? Die Londoner Studenten Rodrigo Garcia González, Pierre Paslier und Guillaume Couche, welche das Prinzip einer essbaren Blase entwickelten. Genauer erklärt handelt es sich bei der Innovation, namens Ooho, um einen XL-Wassertropfen, der von einer Doppelmembran aus Meeresalgen umschlossen ist – vergleichbar mit Eigelb. Der Vorteil: Der Durstlöscher kann inklusive Membran verzehrt werden. Flaschen ade! Die Plastik-Alternative soll übrigens nicht nur einfach zu machen sein, sondern auch günstig zu produzieren, hygienisch und biologisch abbaubar.
Und wie funktioniert der Wasserspaß? Mit der sogenannten Sphärifikation, bekannt aus der Molekularküche. Für den flüssigen Umweltretter benötigt man lediglich große Eiswürfel, die erst in ein Calciumchloridbad, dann in ein Braunalgendbad gelegt werden. So bildet sich um die Eiswürfel eine Membran, das Eis darin schmilzt, fertig ist das Wasserwunder.
Doch bevor der essbare Wasserblob endgültig zum Vorreiter wird und auf dem Markt kommt, bleiben einige Fragen offen. Wie sollen die Kügelchen zum Durststillen transportiert werden, ohne ein Malheur in der Tasche zu erwarten? Werden die Blasen schmutzig, wenn man sie durch die Gegend trägt? Wie alltagstauglich ist die Sensation im Bläschen wirklich? Und können wir uns wirklich das klassische Trinken abgewöhnen? Bevor wir uns also ganz von Plastikflaschen verabschieden dürfen, muss wohl noch etwas getüftelt werden. Bis dahin: immer schön recyceln!

 

Foto: Skipping Rocks Lab, Mark Doda, Matthew Koloski