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Worauf sollten Konsumenten achten, wenn sie sich richtig informieren wollen?

Manche Shampoos garantieren geschmeidiges Haar oder Volumen, andere schwören auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Versprechen der verschiedenen Marken sind so vielfältig wie die Ansprüche der Konsumenten – nicht nur, wenn es um Haarpflegeprodukte geht. Doch immer mehr Verbraucher fragen sich, ob die Unternehmen wirklich das einhalten, was sie vorgeben.

Das Interesse nach der Vorabinformation steigt. Dieses bestätigte bereits die TNS-Studie Connected Life (60.500 Internetnutzer aus 50 Ländern wurden befragt) aus dem Jahr 2015. Tatsächlich sollen weltweit 84 Prozent der Shopper vor dem Einkauf recherchieren, in Deutschland sind es 59 Prozent, die online Hilfe suchen, und 49 Prozent, die es offline tun. Hierbei geht es nicht nur um besonders kostspielige Anschaffungen wie Flüge, Autos oder Finanzdienstleistungen. Nein, viele wollen auch bei kleinen Einkäufen vorab wissen, was später an der Kasse landet – bei Körperpflegeprodukten sind es fast die Hälfte der Konsumenten, bei Babyprodukten sogar 76 Prozent.

Warum diese Zahlen so wichtig sind? Endkonsumenten bestimmen als zentrale Rolle im Wirtschaftssystem mit ihrer Nachfrage das Angebot. Wenn sie sich vor dem Einkauf über Inhaltsstoffe, Wirkung, Stärken und Schwächen eines Produktes informieren, schließen sie automatisch bestimmte Angebote aus – was natürlich dann Einfluss auf den Markt, auf den Preis und auf die Ausstattung von Geschäften hat. Längst sind dadurch Bio-Produkte und natürliche Inhaltsstoffe zum absoluten Trend geworden.

Diesen Wissensdurst und den neuen Qualitätsanspruch haben nicht zuletzt auch Prüforganisationen, Verbraucherzentralen, Vergleichsportale und jegliche Lifestyle-Magazine erkannt. Auf jedes Siegel und jeden bunten Artikel schlichtweg zu vertrauen, wäre allerdings der falsche Weg. Sich „nur“ zu informieren bedeutet nämlich nicht, dass man auch die richtigen Antworten findet.

Da wären zum Beispiel Fashion-, Beauty- und Lifstyle-Magazine, online und Print, die sich mit der Prüfung einzelner Produkte beschäftigen. Auf die Artikel ist nur Verlass, wenn sie sich tatsächlich auf anerkannte Quellen beziehen und diese neutral wiedergeben. Oftmals fehlt es aber an renommierten Expertenmeinungen, vielmehr stehen lustige Headlines und schöne Bilder im Vordergrund. Schließlich geht es hierbei weniger um Aufklärung, sondern um Unterhaltung und Leserzahlen.

Weitere beliebte Informationstools sind kreative Apps – der Interessierte scannt einen Barcode ein und erhält somit Informationen über Inhaltsstoffe. Produktbewertungen gibt es noch dazu, zum Beispiel unterstützt durch ein Ampelsystem. „ToxFox“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stürmte bereits die App-Charts. Damit „können Verbraucher*innen Schadstoffe aufspüren, ihre Gesundheit schützen und Herstellern klar machen: Wir wollen Produkte ohne Gift“, heißt es auf der eigenen Website. Der Vorteil: Sollte ein Produkt nicht in der Datenbank gelistet sein, können Verbraucher über die App eine Anfrage an den Hersteller stellen. Laut der EU-Chemikalienverordnung ist dieser dazu verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen Auskunft zu geben. Allerdings geht die App bei Kosmetika nur auf hormonell wirksame Stoffe ein – andere Informationen bleiben verwehrt.

Auch bei „Codecheck“ gibt es den Produkt-Check via Barcode. Nur Sekunden später sollen die App-Nutzer Näheres über Inhaltsstoffe, Nährstoffe, Hersteller und Labels erfahren. Einzelne Produkte werden dann als „empfehlenswert“, „nicht empfehlenswert“ und „unbedingt meiden“ eingestuft. Doch einige Quellen, auf die sich das Portal bezieht, sind alt, manche liegen sogar schon 16 Jahre zurück. In der Zwischenzeit gab es bereits Änderungen in der Kosmetikverordnung. Außerdem werden manche Produkte aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe als gesundheitsschädlich eingestuft, obwohl sie es zum Beispiel nur für Allergiker wären. Die Einzelstoffbewertung ist zudem sehr einseitig und unzureichend – manchmal kommt es tatsächlich nicht auf den Stoff an sich, sondern auf die Dosis an.

Ein weiterer Nachteil ist, dass ein Teil solcher Apps von Endkonsumenten gefüttert werden. Diese teilen ihre persönlichen Meinungen und Erfahrungen. Doch der Überfluss an Produkten und Informationen verhindert, dass der Verbraucher den Überblick behalten kann. Er bildet sich die eigene Meinung aus verschiedenen Quellen und kann diese oftmals gar nicht neutral einordnen. Auf seine individuellen Bewertungen, besonders was Inhaltsstoffe angeht, kann dementsprechend nicht unbedingt Verlass sein. Vielmehr sollte man sein Vertrauen wissenschaftlichen und fachlich fundierten Portalen schenken.

Angesehen ist beispielsweise die Publikation „Öko Test“. Doch auch hier gibt es Mängel – unter anderem schaltete die Zeitschrift Anzeigen und Werbungen, macht sich somit abhängig von Marken, und verkauft ihre Dienstleistung als Gesamtbewertung, obwohl einzelne Bereiche außer Acht gelassen werden. Sich sicher sein, dass die geprüften Produkte rundum empfehlenswert oder nicht empfehlenswert sind, kann man nicht. Im Gegensatz dazu ist „Stiftung Warentest“ eine unabhängige und werbefreie Verbraucherorganisation, die bereits 1964 gegründet wurde und als eine der bekanntesten gilt. Der Fokus bei den Tests, die auf verlässlichen wissenschaftlichen Methoden basieren, liegt allerdings auf der Wirksamkeit: Hält das Produkt, was es verspricht? Inhaltsstoffe, die den Verbraucher mindestens genau so interessieren, geraten in den Hintergrund. Auch auf gewisse Trendwellen, zu denen heutzutage Natur- und Bioprodukte gehören, wird nicht unbedingt aufgesprungen.

Und womit liegt der Konsument nun richtig? Mit neutralen fundierten Quellen! Wenn es um Kosmetikprodukte geht, ist haut.de ein solches. Man findet sowohl alle Inhaltsstoffe als auch Angaben zur Produktion und Wirkweise. Neben fachlichen Bewertungen kann der Konsument mehr über den Aufbau von Haut, Haaren und Zähnen erfahren, um demnach bestimmte Produkte nach dem eigenen Bedürfnis auszuwählen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Scientific Committee On Consumer Safety (auf EU-Ebene) sowie der Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen sind gute Quellen, um sich umfassend und neutral zu informieren.

Grundsätzlich sollten Verbraucher vor dem Kauf klar definieren, was sie konkret wollen und was sie von einem Produkt erwarten. Legt man Wert auf ein zertifiziertes Produkt, sollte man sich gezielt belesen und die Quellen bzw. die Siegel vorab checken. Ist es ein anerkanntes Prüfsiegel, kann man sich darauf verlassen. Auch wenn das Informationsprozedere auf den ersten Blick ziemlich aufwendig erscheint, ist es doch von Vorteil. Große und bekannte Marken weisen nicht zwingend eine hohe Qualität aus, ebenso wenig müssen unbekannte Labels als schlecht eingeschätzt werden. Die Neugierde der Verbraucher ist ein wichtiges Tool in der heutigen Gesellschaft und Wirtschaft – nur so können sie sich selbst schützen und das bekommen, was sie wirklich wollen und brauchen. Und vor allem haben sie somit Einfluss auf das, was langfristig in den Regalen steht.


Bild: Jiri Wagner (Unsplash)